blogfuerst 29. Mai 2010
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert. Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 18. Mai 2010
Der wohl beste Artikel zum Thema Finanzkrise, den Ursachen und Reformen, den ich bisher überhaupt gelesen habe, stammt vom Welt-Autor Frank Stocker. Stocker erklärt in ganz wenigen Zeilen, die wichtigsten internationalen Finanzmarktinstrumente und wie man sie einschränkt, damit derartige Finanzkrisen in Zukunft verhindert werden können.
Grundsätzlich helfen Derivate, den Finanzmarkt effizienter und flexibler zu machen. Das Problem ist allerdings ihr Volumen. Ihr Wert wird heute auf etwa 600 Billionen Dollar geschätzt – das ist das Zehnfache des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Welt. Wenn hier etwas schiefgeht, kann das Konsequenzen haben, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Der US-Investor Warren Buffet bezeichnete daher Derivate als “Massenvernichtungswaffen”. [...] Das Volumen der Derivate ist auf ein kontrollierbares Maß zurückzuführen. Dazu beitragen kann eine Finanztransaktionssteuer, da viele Derivate nur kleinste Gewinne abwerfen. Sie lohnen sich nur bei millionenfachen Transaktionen. Selbst eine geringe Steuer auf jede Transaktion macht den Handel daher schon unattraktiv.
Als Finanzlaie ist es mir ehrlich gesagt schleierhaft, wie die Politik eine solche gigantische Finanzblase jahrelang tolerieren konnte.
blogfuerst 17. Mai 2010
Bei Readers Edition enthält ein Artikel eine frappierend einfache Antwort, welche Reaktion die richtige ist, um derartige Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern:
Es würde ein Verbot von Leerverkäufen und Derivaten und eine Transaktionssteuer auf kurzfristige Finanztransaktionen genügen.
Irgendwie klingt diese Antwort fast schon zu einfach um wahr zu sein. Mir jedenfalls fällt kein Gegenargument dazu ein.
blogfuerst 12. Mai 2010
Die wohl treffenste Analyse der Griechenland- und Euro-Krise hat das antibuerokratieteam getroffen.
EU geht “all-in”
Die Frage ist nur, ob das Full House wirklich aus Assen und Koenigen besteht, oder ob sich ins Blatt der EU nicht auch ein paar Nieten eingeschlichen haben. Eine knappe 3/4 Billion liegt im Topf. Wer geht mit und wer laesst sich ausbluffen?
Da Finanzmärkte zu 50% Psychologie sind, gibt es kaum einen besseren Vergleich als mit Poker (vorzugsweise Texas Hold’em).
blogfuerst 10. Mai 2010
Nachdem die Geheimdienste in den letzten Jahren mehr mit Skandalen zu tun hatten, als mit sinnvoller (Auslands-)Aufklärung, gibt es meines Erachtens ein riesiges neues Betätigungsfeld für deutsche und internationale Geheimdienste: Die internationale Hochfinanz.
Nachdem zuletzt immer wieder fragwürdige Aktionen gegen einzelne Personen und Presseorgane im In- und Ausland publik wurden, die angeblich im Namen der Terrorabwehr durchgeführt wurden – wäre es nun an der Zeit sich mit “tatsächlichen Massenvernichtungswaffen” aus der Finanzbranche zu befassen, statt nicht existenter in den Händen von überbewerteten Terroristen hinterherzujagen. Vor einiger Zeit hat die CIA oder jemand ähnliches erklärt, dass nicht Osama bin Laden oder sonst irgendein internationaler Terrorismus die größte Gefahr für die USA seien, sondern Finanz- und Wirschaftskrisen (hab grad die Quelle nicht zur Hand). Dieser realistischen Einschätzung kann ich mich nur anschließen. Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 7. Mai 2010
Die so genannten “Euro-Rebellen” (weil sie die Maastricht- und Lissabon-Entscheidung herbeigeführt haben) um den Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider haben heute beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde einschließlich Antrag auf Einstweilige Verfügung zur Aussetzung der Griechenlandzahlungen von Deutschland eingereicht.
Von diesen Beschwerdeführern weiß man, dass sie vehemente Euro- und EU-Skeptiker sind. Allerdings konnten sie bisher mit starken juristischen Argumenten aufwarten. Vorliegend ist das meines Erachtens aber nicht der Fall. Die Gewährung der Griechenland-Hilfen verletzt nicht nur kein (deutsches) Verfassungsrecht, sie verletzt überhaupt kein deutsches Recht. Sie verletzt (wenn überhaupt) ausschließlich EU-Recht. Und das Bundesverfassungsgericht entscheidet Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 7. Mai 2010
Meine lieben griechischen Freunde,
angesichts der aufgeheizten Stimmung bei uns und bei Euch, möchte ich ein paar Zeilen an Euch richten, weil ich glaube, dass es dringend notwendig ist in diesem ganzen Finanzschlammassel das Menschliche nicht untergehen zu lassen.
Völlig unabhängig davon, wer wem wann wieviel zahlt, oder wer wann falsche Zahlen irgendwo in die Welt gesetzt hat – möchte ich folgendes kundtun:
Ich liebe den griechischen Lebensstil (quasi das “Dolce Vita” auf griechisch…). Die mediteraneae Aufgeschlossenheit und die Fröhlichkeit von Euch lassen mein Herz regelmäßig aufgehen. Auch rangiert Griechenland und seine Strände bei mir als Urlaubsland ganz oben, was sich auch nicht ändern wird, egal welchen Verlauf die Wirtschaftsgeschichte nehmen wird. Darüber hinaus halte ich rein gar nichts von Forderungen nach einem Ausschluss Griechenlands vom Euro oder gar von der EU (Währungspolitik hat in meinen Augen wenig mit der Staatsverschuldung eines Staates zu tun, solange nicht die Gelddrucker angeworfen werden) Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 16. März 2010
Bei der ganzen Debatte um die Krise des Staatshaushaltes der Griechen und der Frage wer, wann und in welchem Umfang den Griechen helfen soll, stellt sich mir die Frage: Wieso lässt man Griechenland nicht einfach “Insolvenz anmelden” ? Ja, ich weiß, dass Staaten nicht so einfach insolvent gehen können. Aber im Prinzip müsste es doch ähnlich sein oder? Selbst das Völkerrecht kann einem nackten Mann nicht in die Taschen greifen.
Der Vorteil einer solchen “Griechenland-Insolvenz” liegt auf der Hand: Die Griechen bekommen eine zweite Chance, der drohende “Bürgerkrieg” wird abgewendet und die anderen Staaten müssen nicht noch Geld locker machen. Die einzigen Leidtragenden dieser Insolvenz wären wohl die Banken. Aber mit denen würde es ja keinen Unschuldigen treffen. Also warum machen wir das nicht einfach?
blogfuerst 7. August 2009
- Bei Verdacht auf 1,30 € Diebstahl(bis zu 5 J. Freiheitsstrafe) = Kündigung - bei Verdacht auf Untreue (bis zu 5 J. Freiheitsstrafe) in Millionenhöhe = Millionenabfindung
- So sorgfältig geht unser “Sicherheitsapparat” mit vertraulichen Daten um.
blogfuerst 24. Mai 2009
Die Finanzkrise trifft nicht nur die Volkswirtschaften und Abermillionen von Arbeitern. Sie “belastet” auch diejenigen, die für sie verantworlich sind – die Manager:
Sie verdienen weniger, müssen mehr arbeiten – und ihr Image hat auch gelitten: Die Finanzkrise macht vielen Managern zu schaffen. Laut einer Umfrage trifft sie der Wirtschaftsabschwung nicht nur beruflich, sondern auch privat.
So das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Heidrick & Struggles.
Außer den 1000 befragten Managern dürfte es wohl niemanden in diesem Lande auch nur einen Jota interessieren, dass die Manager unter der von ihnen selbst verursachten Finanzkrise ebenfalls zu leiden haben. Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 23. April 2009
Im Law Blog wird ein konstruierter Fall dargestellt, in dem ein scheinbar perfekter Finanzkreislauf entstanden ist:
Es ist April in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Es regnet wie fast immer, die Stadt ist leer. Alle haben Schulden und leben auf Kredit.
Zum Glück kommt ein reicher Russe ins Interconti. Er will ein Zimmer und legt 500 Euro auf dem Tisch, danach geht er, um sich das Zimmer anzuschauen. Der Hotelchef nimmt schnell die Banknote in die Hand und läuft eilends,, um seine Schulden bei seinem Fleischlieferanten zu regulieren. Dieser nimmt die Banknote in die Hand und läuft sofort los, um seine Schulden bei seinem Schweinezüchter zu regulieren. Den ganzen Beitrag lesen »
blogfuerst 26. März 2009
Die Peer Steinbrücks und sonstige hoch-kompetenten Politiker haben sich an der Hypo-Real-Estate fast schon festgebissen. Sie wollen die HRE um jeden Preis verstaatlichen. Dabei werden sogar grundlegenden Prinzipien der Marktwirtschaft über Bord geworfen (Enteignung). Noch schlimmer ist aber, dass die Politiker sich mit der Rettung der HRE auf Staatskosten möglicherweise überheben. Dem stern liegt ein geheimes Gutachten vor, dass die notwendigen Gelder für die Rettung der HRE so hoch sind, dass sie bald den Umfang des gesamten Bundeshaushaltes erreichen. Aber Politiker waren noch nie sonderlich gut im Eingestehen von Fehlern oder Fehleinschätzungen. Deshalb machen sie lieber unbeirrt weiter – egal was es kostet. Und wenn sie dabei den deutschen Staat verhökern. Alles wurscht, solange ein “systemisches” Institut gerettet wird. Dass hinterher vielleicht keiner mehr da ist, der von dem “geretteten” System profitieren kann, ist nebensächlich.
blogfuerst 5. März 2009
Wenn man sich die vielen unverkauften Autos hier anschaut, fragt man sich, wieso die Autohersteller nicht längst mit massiven Rabatten versuchen ihre Fahrzeuge loszukloppen. Solange die dort rumstehen, kriegen die Konzerne keinen Cent.
blogfuerst 13. Februar 2009
Irgendetwas ist in diesem System ganz gewaltig faul, wenn die Banker die größten Verluste ihrer Firmengeschichte verursacht haben und trotzdem (oder gerade deswegen?) eine Belohnung dafür bekommen. Hier scheint sich “ein Staat im Staate” oder besser ein “Markt im Markte” entwickelt zu haben, der gänzlich andere Regeln hat wie die denen sich der Rest der Menschen und Wirtschaft unterwerfen muss. Irgendwie ist das das gleiche wie zu absolutistischen Zeiten von Ludwig dem XVI., der sich eine äußerst teure Regenschaft leistete, während das Volk dies finanzierte und selbst nichts von dem Wohlstand hatte. Ist ja nicht anders mit den Banken heute. Die Banker und Manager leben weiter in Saus und Braus, der von ihren Kunden finanziert wird, während diese ihre Vermögenswerte oder Häuser verlieren.
Wenn es noch den guten alten wütenden Mob geben würde – ich glaube ich würde da mitmachen…
blogfuerst 5. Februar 2009
Die Banken haben es dieser Tage ja nicht leicht. Auf der einen Seite sitzen sie allesamt – ohne Ausnahme – auf “toxischen Wertpapieren”, die ihnen auch weiterhin das Überleben schwer machen werden. Auf der anderen Seite kommt noch die Schelte von Politik und Gesellschaft für die Sorglosigkeit der Banker im Umgang mit den Geldern ihrer Kunden dazu. Man könnte fast meinen, dass der Job des Banker dieser Tage zu den unattraktivsten überhaupt gehört.
Einer Marktwirtschaft könnte es im Prinzip herzlich egal sein, wenn eine Bank so schlecht dasteht. Das Problem ist aber, dass sämtliche Banken, die auf dem Markt sind gleich schlecht dastehen. Und das führt dazu, dass sie alle das gleiche miese Angebot den Kunden offerieren. In solch einer Situation sind die Rufe nach dem Staat verständlich. Müsste man doch hier die Aussage “Der Markt regelt alles” klar ablehnen. Wirklich? Denn eigentlich bietet der Markt auch in einer tiefen Krise wie dieser hier hervorragende Marktlücken und Gewinnmöglichkeiten. Die Marktlücke, die sich aufgetan hat, ist eine Bank mit weißer Weste – gewissermaßen ohne Leichen im Keller bzw. toxische Papiere. Vom Kleinanleger bis zum institutionellen Investor – sie alle würden einer solchen Bank wahrscheinlich die Türen einrennen. Die Konsequenz? Man gründet einfache eine neue Bank. Dazu braucht man eigentlich nur einen großen Spritzer Investitionskapital, ein paar arbeitslos gewordene Banker und schon kanns losgehen. Da frag ich mich nur, warum noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Ich würds wahrscheinlich selbst machen, wenn ich die entsprechenden Mittel hätte.
blogfuerst 14. Januar 2009
Spreeblick-Autor Johnny Haeusler hat das heute im Bundestag verabschiedete Konjunkturpaket der Bundesregierung vom Politiker-Sprech ins Deutsche übersetzt:
Die Bundesregierung verschickt „das größte Konjunkturpaket in der Geschichte der Bundesrepublik“, also etwas, das vor nicht besonders langer Zeit ausgeschlossen wurde, und das geht auch gar nicht anders und ist eine tolle Chance. Für ein altes Auto bekommt man 2500, für ein neues Kind 100 Euro, dafür übernimmt selbiges die Paketportokosten in Höhe von rund 50 Milliarden. Die Kosten für Krankenkassen werden gesenkt, aber nicht so stark, wie sie kurz vorher erhöht wurden und am dollsten freuen sollte man sich darüber, dass die Regierung jetzt verstärkt in Arbeitsplätze und Bildung investiert, denn das war vor der Finanzkrise nicht nötig. Ansonsten bleibt alles wie vorher: Die große Koalition findet das alles toll und sieht keine Alternativen, die Opposition findet das alles doof und hat keine.
Danke für diese äußerst präzise und treffende Formulierung!