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Dieter Gorny ist mitschuldig an der Loveparade-Katastrophe -update

blogfuerst 27. Juli 2010

Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg fragen sich viele, wieso ein eigentlich ungeeignetes Gelände für so etwas zugelassen wird. Organisatorische Schuld treffen mit Sicherheit den Oberbürgermeister Adolf Sauerland und seinen Ordnungsdezernenten Walter Rabe (beide CDU). Aber wieso nur wollte gerade Sauerland die Loveparade um jeden Preis (wohl auch von Menschenleben?) nach Duisburg holen? Wohl kaum weil er so ein glühender Anhänger von elektronischer Musik ist. Aber wahrscheinlich weil ihm jemand erzählt hat was für eine “Katastrophe” es wäre, wenn die Loveparade in Duisburg abgesagt worden wäre. Und da wären wir bei Dieter Gorny. Gorny war ja schon immer ein gerissener Lobbyist für seine (persönlichen) Interessen – als VIVA-Gründer, Content-Industrielobbyist-  und hat bei der Politik offenbar damit teilweise Gehör gefunden, wenn man sich die Gesetzgebung zum Urheberrecht der letzten Jahre anschaut oder auch Gornys Zustimmung zu dem Websperren-Gesetz von Uschi, dass er auch gleich zum “Schutze Geistigen Eigentums” genutzt haben wollte.

Mit der Loveparade-Katastrophe hat sich nun aber die ganze Gefährlichkeit von Gornys Lobbytätigkeit offenbart. Als “künstlerischer Direktor” an der Planung maßgeblich Beteiligter war Gorny derjenige, der am heftigsten gegen die Absage der Loveparade agitiert hat:

Für Fritz Pleitgen, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der RUHR.2010 GmbH, hat die Loveparade der nationalen und internationalen Öffentlichkeit noch einmal die Vitalität und Weltoffenheit der Metropole Ruhr demonstriert. „An diesem Wochenende wurde deutlich, was hier gemeinsam bewegt werden kann. Ich freue mich, dass die RUHR.2010 durch Dieter Gorny mitgewirkt hat, die Loveparade an die Ruhr zu holen. Dadurch wird ein kräftiger Impuls für die Entwicklung der Kreativwirtschaft gesetzt.” Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH: „Von Europas größtem Tanz- und Musikevent geht auch eine Initialzündung für eine dauerhafte Stärkung in der Musiklandschaft im Ruhrgebiet aus.” Das sei auch beim 1. Kongress der Musikwirtschaft Ruhr am Wochenende deutlich geworden. Dieter Gorny: „Ich habe immer gesagt: Wir sind der kommende Hotspot in Europa, das hat die Loveparade beeindruckend gezeigt. Wir sind auf dem richtigen Weg.“ [...] Dieter Gorny, künstlerischer Direktor für das Themenfeld Stadt der Kreativität: “Die Loveparade ist ein wegweisender Impuls für die Metropole Ruhr, sie wird ein zentraler Antriebsfaktor für die Entwicklung der Musikszene und -wirtschaft der Region sein.”

Dabei scherte er sich offenbar auch nicht um Sicherheitsbedenken, solange “seiner Musikwirtschaft” geholfen wird. Gorny lobbyierte auf allen Kanälen für seine Interessen:

[...] Zudem wurden im Zusammenhang mit der Veranstaltungsfläche Sicherheitsbedenken geäußert. Auf das drohende Aus reagierte Dieter Gorny, künstlerischer Direktor für die Kreativwirtschaft bei Ruhr.2010, „bestürzt und erschrocken”. Gegenüber der WAZ sagte er: „Es gibt keine bessere Gelegenheit, sich international zu blamieren, als wenn man diese Chance verpasste.” [...] Dieter Gorny verweist darauf, dass mit der Loveparade „absolute Weltstars” nach Duisburg kommen, die für einen positiven PR-Schub „weit über Europa hinaus” sorgen werden. In dieser Situation erwartet er eine politische Allianz. „Man muss sich an einen Tisch setzten und den Willen bekunden, die Loveparade durchzuführen, statt klein beizugeben.” Die Politik müsse sich dahingehend erklären, dass sie sagt: „Wir wollen die Veranstaltung und alle Kraft einsetzen, sie zu retten!” [...] Man dürfe, betonte Gorny, die Loveparade nicht separat betrachten. Man müsse die Kulturhauptstadt als Ganzes sehen und die verheerenden Folgen, wenn eine Säule der Kulturhauptstadt wegbreche. [...] Dieter Gorny ist davon überzeugt, dass die Loveparade in Duisburg tanzen wird. „Eine richtige Metropole kann das stemmen.”

Tja, Gorny hat Recht behalten und seine Loveparade bekommen. Man könnte hieraus den Schluss ziehen: Die Interessen für die Gorny Lobby macht, sind für die Allgemeinheit immer zutiefst schädlich. So geschehen beim Urheberrecht, dass ein paar wenige Verlags-Konzerne zu Lasten von Tausenden Kreativen und Millionen Bürgern bevorteilt. So auch bei der Loveparade wo 19 junge Menschen noch leben würden, hätte man nicht auf Gorny gehört. Vielleicht jagt mal endlich jemand diesen Mann zum Teufel … oder wenigstens aus der Enquete-Kommission raus, wo er wohl auch nichts als Schaden anrichten wird.

update:

Zufällig bin ich über dieses Interview von Gorny gestolpert, indem Dieter Gorny Teile seines Weltbilds preisgibt.

WELT ONLINE: Es gibt Leute, die behaupten, in Wahrheit habe das Beharren auf Kopierschutz und digitales Rechte-Management (DRM) den Markt kaputt gemacht, weil Musik-Fans als potenzielle Straftäter behandelt werden. Stimmt das?

Gorny: Nein. Der fehlende Respekt vor dem geistigen Eigentum und der Leistung ist ein wesentliches Problem dieser Gesellschaft. Weil Sie an eine Idee kein Preisschild hängen können, ist leider das Unrechtsbewusstsein beim Klauen entdinglicht. Dabei ist die Kreativ-Wirtschaft einer der größten Umsatzbringer der Zukunft. Wo sollen denn noch Arbeitsplätze entstehen, wenn die Industrie aus Europa abwandert. Die Kopierschutz-Diskussion greift deshalb viel zu kurz. Es geht um eine Verschleuderung von gesellschaftlichem Eigentum, die unter dem Deckmäntelchen von „cool“, „Jugend“ und „digital“ stattfindet. Das ist lebensgefährlich. Mein Plädoyer: Wir müssen zu einer Neubewertung des Urheberrechts kommen. Es geht um die Geschäftsgrundlage eines zentralen Leitmarktes der Zukunft.

Das sind die “Werte” des Dieter Gorny: Die Einhaltung vom überkommenen, geltenden Urhberrecht ist also so wichtig wie Menschenleben – weil es ja lebensgefährlich sei, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Vielleicht fragt ihn mal jemand im Angesicht seiner mit angerichteten Loveparade, ob er die Verletzung von Urheberrechten immer noch als lebensgefährlich ansieht. Wenn überhaupt, dann ist das Wirken von Menschen wie Dieter Gorny lebensgefährlich…

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4 Reaktionen zu “Dieter Gorny ist mitschuldig an der Loveparade-Katastrophe -update”

  1. Wahrhaftigkeitam 27. Juli 2010 um 09:58 Uhr

    an dieser Stelle sind exakt 2 Fragen zu klären:

    Wieviel Fördergelder sind geflossen für die Loveparade (direkt und indirekt) und wohin?

    Was ist dran am gerücht, dass Dieter Gorny an der Loveparade als “stiller Teilhaber” beteiligt ist?

    Das würde nämlich vieles erklären und auch Aktivitäten der Vergangenheit wiederspiegeln.
    Das sollte man mal genaustens untersuchen!

    gez.
    Bürger gegen Filz!

  2. Janam 30. Juli 2010 um 00:13 Uhr

    Im Telepolis-Artikel Rücktrittsforderungen als Massenbewegung hat Peter Mühlbauer vor zwei Tagen ebenfalls auf die Rolle von Dieter Gorny hingewiesen. Darüber hinaus scheint das aber wenige zu interessieren, bei Twitter & Co findet sich praktisch kein Echo. Ist ja einfacher, alles dem OB in die Schuhe zu schieben, dann sind die Anderen fein raus.

  3. Ronald N.am 31. Juli 2010 um 21:32 Uhr

    Hier werden einige Dinge durcheinander gebracht.

    1. Was Herr Gorny über das Urheberrecht sagt – und was dem Blogfürsten anscheinend ein Dorn im Auge ist – hat nichts mit seiner Tätigkeit als künstlerischer Direktor bei der Ruhr 2010 zu tun. Und einen Zusammenhang herzustellen zwischen dem in einem gänzlich anderen Zusammenhang geäußerten Wort “lebensgefährlich” und dem Tod der Massenpankikopfer auf der Loveparade ist nicht nur dumm und völlig aus der Luft gegriffen, sondern auch zynisch.

    2. Herr Gorny ist kein Sicherheitsexperte, sondern ein Lobbyist. Er hat sich dafür eingesetzt, dass die Loveparade ein Teil des Programms der Ruhr 2010 wird. Und er hat sich, das entnehme ich deinen recht kurzen Zitaten, dafür eingesetzt, dass man alles versucht, um diese Loveparade in Duisburg zustande zu bringen. Damals ging es übrigens – wie immer- um die Finanzierung des Anteils, den die Stadt Duisburg zu leisten hat, und nur ganz nebensächlich um vage Sicherheitsbedenken.

    Gorny ist zudem weder Mitglied des Krisenstabes der Loveparade gewesen, er arbeitet nicht in der Stadtverwaltung, bei der Feuerwehr, der Polizei oder ist crowd manager der Lopavent GmbH. Er war nicht in die Planung des Sicherheitskonzepts eingebunden und hat weder die Sachkenntnis noch die Entscheidungsgewalt, die Sicherheitsrisiken der Veranstaltung zu bewerten oder Sicherheitsaspekte der Love Parade zu beeinflussen. Und schon gar nicht hat der Dampfplauderer Gorny irgendwelche Machtbefugnisse, um eine solche Großveranstaltung durchzupeitschen. Du überschätzt seinen Einfluss deutlich, er hat ja als SPDler nicht mal das richtige Parteibuch, um einem CDU-Bürgermeister was zu erzählen.
    Wenn jemand eine solche Veranstaltung anmeldet, dann obliegt es Experten der Stadtverwaltung, zu sagen, ob das genehmigt wird oder nicht. Und ob Herr Gorny im Januar 2010 in einem Interview in der Regionalpresse sagt, dass es blamabel wäre, die love parade abzusagen oder nicht, das ist echt ein Nebengeräusch.
    Und das alles jetzt dafür zu instrumentalisieren, um jemanden, den man aufgrund seiner wenig liberalen Ansichten zu Kopierschutz und Schutz geistigen Eigentums nicht mag, ans Bein zu pissen, DAS IST ECHT ARM! Egal was man von Dieter Gorny hält.

    Es muss aufgeklärt werden, WER dieses offensichtlich von einem best case scenario ausgehende Sicherheitskonzept von Stadtseite genehmigt hat, und warum. Da sitzen die Verantwortlichen, die zuständig sind für die Sicherheit der Toten, die wir jetzt zu beklagen haben.
    Alles andere ist blindes Umsichhauen.

    Schlecht recherchiert, aus dem Zusammenhang gerissen, wirr argumentiert und verdammt zynisch…das ist dieser ärgerliche Beitrag!

  4. Ichmalwiederam 11. August 2010 um 17:49 Uhr

    Ich denke auch, dass der Fürst es sich hier zu einfach macht.
    Er kann gegen eine Absage sein, aber genehmigen kann er nicht.
    Die Durchführung der Loveparade an sich kostet keine Menschenleben.
    Die dilettantische Durchführung schon.
    Und für die dilettantische Durchführung sind andere verantwortlich, nicht Gorny.

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