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Das WM-Fieber

blogfuerst 10. Juli 2010

Seit einigen Jahren hat die Begeisterung für Spiele der Nationalmannschaft bei Europa- und Weltmeisterschaften stark zugenommen. Mein persönlicher Eindruck ist, dass diese rapide Zunahme mit Rudi Völlers DFB-Elf 2002 begonnen hat und bei der WM 2006 seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat mit den Fanmeilen im ganzen Land. Persönlich vertrete ich die Auffassung, dass die quantitative Zunahme der Begeisterung einen einfachen Grund hat: Die Frauen begeistern sich seitdem genauso wie einst nur die Männer für diese Meisterschaften. Ob das nun daran liegt, dass die Frauen die Attraktivität der Spitzenfußballer für sich entdeckt haben oder aber, dass das gemeinsame Feiern bei Spielen – egal bei welcher Nationalmannschaft – als “Treffen der Kulturen” dazu beigetragen hat kann dahinstehen. Fest steht, dass die Endrunden von EM und WM eine ungewohnte Ausgelassenheit und Offenheit zum Feiern bei den Menschen hierzulande hervorrufen. Und das entscheidende daran ist, dass diese positive Stimmung (nunmehr) auch dann noch anhält, wenn die DFB-Elf mal verliert oder gar aus dem Turnier ausscheidet. So geschehen 2002 und 2006 nach bei der Rückkehr der DFB-Kicker auf die Berliner Fanmeile, wo die Jungs von hunderttausenden gefeiert wurden. Und zwar nicht (!) weil sie Dritter wurden o.ä., sondern weil sie einfach mit ihrer neuen Spielfreude die Menschen angesteckt haben. Die Nationalmannschaft wird nicht mehr (nur) gefeiert, weil sie gewinnt, sondern einfach nur dafür weil sie schönen Fußball spielt, bei dem es Spaß macht zuzuschauen. Die Fußball-WM/EMs haben längst einen eventartigen Charakter wie man ihn sonst nur von der Loveparade o.ä. kennt. Letztlich geht es dabei nicht mehr nur primär ums Gewinnen, sondern einfach nur darum gemeinsam – die Fans und die Mannschaft – eine tolle Zeit zu verbringen. Mit anderen Worten: Die WM ist die größte Party in Deutschland, bei der alle zusammen – Männer, Frauen, Kinder, Alte und Migranten friedlich zusammenfeiern. Dabei spielt es letztlich auch kaum noch eine Rolle welcher Mannschaft man die Daumen drückt, wenn man sieht wie Fangruppen mit z.T. gemischten Trikots zum Rudelgucken gehen. Da jubelt ein DFB-Fan neben seinem besten (spanischen) Freund mit nem Spanien-Trikot und niemand stört sich daran. Das ist etwas was es im Vereinsfußball selten gibt. Deutlichstes Indiz für die “Übernahme” des Fußballs durch alle Gesellschaftsschichten, ist das Ausbleiben von Randalen von Hooligans, die bei früheren Fußballturnieren zwingende Begleiterscheinung waren.

Wenn Deutschland verliert, dann wird nicht lange getrauert, sondern nach vorne geschaut und einfach das nächste Turnier mit Optimismus ins Auge gefasst. Wenn es die Deutschen schaffen würden, etwas von dieser Leichtigkeit, diesem Optimismus und der Fröhlichkeit auch in ihren Alltag hinüber zu tragen, dann würde mit Sicherheit vieles leichter werden. Egal ob in Politik oder Wirtschaft. Es steht nicht mehr nur immer die Angst und der Pessimismus im Vordergrund, sondern eine konstruktiv-positive Einstellung, welche die typisch deutsche “Unterkühltheit” vielleicht ins Reich der Vergangeneheit schicken könnte.

 

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