Mordanschlag bei linksradikaler Demo in Berlin
blogfuerst 13. Juni 2010
Auf einer Demonstration in Berlin am 12.06.2010, bei der viele Linksradikale mitmarschierten kam es zu einem Mordanschlag auf die Polizei. Einige Polizisten wurden z.T. schwer verletzt. Den Ansagen der Demo-Lautsprecher zufolge, versuchten die Demo-Teilnehmer die Tatort-Sicherung der Polizei zu behindern.
Spinner, Terroristen und Mörder wird es immer geben. Was aber erschreckend ist, ist dass sie für ihre menschenverachtenden Taten eine so breite Unterstützung in der linken Szene erfahren, für die Gewalt ein ganz normales Mittel ist.
- Gewalt gegen Andersdenkende
- 9 Kommentare




hihihi .. Terroristen! Mordanschlag! – wegen eines Silvesterknallers? Bitte bewirb dich bei Springer. Mit deinen Brüdern im Geiste könntest du Geschichte schreiben.
Du bist Jurist. Juristen sollten doch auf gewisse Dinge in einem Rechtsstaat verzichten: Vorverurteilung und Pauschalurteile sowie Sippenhaftung
In Deinem Blog machst Du Dich immer wieder für eine liberale Innenpolitik stark. Aber wenn Du die Klischees von der \linken Gewalt\ unkritisch übernimmst, spielst Du den Scharfmachern in die Hände. Sollte Dich das nicht stutzig machen, dass allenthalben schon wieder nach schärferen Gesetzen gerufen wird?
Ein Jurist sollte doch so vorgehen: erst einmal die Fakten ermitteln, alle Parteien hören und dann urteilen.
Was jetzt passiert, gehört ins Lehrbuch der Eskalation kollektiver Konflikte. Weil die Politik vorschnell ein ganzes Kollektiv in Haftung nimmt (\linke Gewalt\), wird sich dieses Kollektiv auch nun solidarisieren. Die Trennlinien und Konflikte innerhalb dieser \Szene\ werden zurückgestellt, weil man sich jetzt gegen einen äußeren Feind zu wehren hat. Das gab es alles schon mal und am Ende stand der echte Terror der RAF, an dem der Staat nicht völlig unschuldig war (siehe dazu die einschlägigen Untersuchungen von Friedhelm Neidhardt, seinerseits im Auftrag des BMI).
Teile und herrsche – das war mal Staatsklugheit. Scheint lange her zu sein.
Ups, da hat jemand das Video des Cobra 6 Knallers auf Youtube löschen lassen. Na ja, das Netz ist voll von Videos über diese Silvesterböller, Beispiel: http://www.myvideo.de/watch/6891557/Vogelschreck_Cobra_1_5_6_2x
Aufgrund solcher Ereignisse würde ich niemals auf die Idee kommen, Gesetzesverschärfungen o.ä. zu fordern. Nur weil andere damit weitere Forderungen verbinden, werde ich mit meiner Meinung trotzdem nicht hinterm Busch bleiben. Die FDP kann das eine vom anderen trennen, wie man an den aktuellen Streitpunkten zwischen Schnarri und der Union erkennen kann.
Es gibt neben der “bösen” Springer-Presse aber auch noch eine ganz andere Strömung. Nämlich eine von links, die für so manche Gewalttat Verständnis aufbringt. Als politisch aktiver Mensch weiß ich, dass solch ein falsches Verständnis für Gewalt (“soziale Perspektivlosigkeit”, bla, bla) nicht nur in linksradikalen Zirkeln, sondern auch weit hinein in Mitte-Links-Kreise auf Verständnis stößt.
Wer für Gewalt – von wem sie auch immer kommen mag und gegen wen sie sich auch immer richtet – Verständnis zeigt, darf bei mir keines erwarten. Sowas finde ich einfach nur widerlich und abstoßend. Man möge sich einmal vorstellen, was wäre, wenn politisch etablierte Kräfte Verständnis für Gewalt von Nazis gegen Ausländer aufbrächten und das mit der schlechten sozialen Perspektive der Täter begründen. So ungefähr empfinde ich bei Verständnis für solche Gewaltausbrüche.
Solange solche Gewalttaten gegen Menschen als “legitimer Widerstand” o.ä. gerechtfertigt werden, solange werde ich solche Angriffe auf Menschen auch aufs schärfste kommentieren.
Allein die Diskussionen um die Beschaffenheit des Sprengsatzes und dass es vielleicht “nur” ein Silvesterböller gewesen sei, ist zynisch und menschenverachtend, weil es eben keinen Unterschied macht, ob Menschen durch einen Stein, einen China-Böller oder eine Bombe zu schaden gekommen sind. Ein Angriff eines Nazis auf einen Ausländer würde auch nicht dadurch besser, dass er sich statt einer Bombe eines Silvestersprengsatzes bedient.
Falsch. Es macht sehr wohl einen Unterschied: der Schaden ist anders und der Vorsatz ist ein anderer. wäre es tatsächlich eine Splitterbombe gewesen, wäre es ein Mordanschlag, aber der Wurf eines Silvesterböllers muss nicht unbedingt auf einen Mordvorsatz schließen lassen. Er war vielleicht nur Unfug, aber mit schwerwiegenden Folgen (welche noch zu eruieren wären). Das macht doch wohl einen Unterschied in der rechtlichen Bewertung, aber auch in der moralischen?
Ich verstehe Deine Ablehnung der Gewalt. Ich habe für Gewalt auch kein Verständnis. Aber angesichts dessen, dass die Empörung über die linke Gewalt auch ein politisches Spiel ist, muss man sachlich bleiben. Das gleiche gilt für die Empörung über rechte Straftaten.
Zur Sachlichkeit gehört, dass man anstelle emotionaler Betroffenheit sich den Fakten zuwendet. Zu den Fakten gehört, dass es eben keine Splitterbombe war, sondern ein Silvesterböller. Es gehört sich auch nicht, mit so etwas auf Demos herumzuschmeißen und Du kannst gewiss sein, dass dies die Linken am stärksten trifft. Schließlich muss sich jetzt jeder, der annähernd links ist, mit einem Generalverdacht auseinandersetzen, den Du selber hegst, siehe hier:
Da muss sich jetzt jeder erst einmal rechtfertigen, dass er nicht so ist, wie die Idioten, die solche Böller werfen oder so etwas gutheißen. Damit hat man ein Riesenproblem. Abgesehen davon, dass jetzt eine heftige Kampagne gegen links allgemein gefahren wird. Der strategische Nutzen dieser Bölleraktion war letztlich für die Konservativen viel höher als für die Demonstranten.
Wie dem auch sei: Bevor man urteilt und schimpft und irgendwie von Mordanschlag spricht, muss man die Fakten prüfen. Alles andere ist Vorverurteilung. Das muss ich einem Juristen doch nicht wirklich erklären? Begreif doch endlich, dass alle politische Abscheu, die nicht differenziert zwischen Tätern, Mitläufern und Unbeteiligten sowie zwischen Taten unterschiedlicher Schwere nur Kollektive schafft, die am Ende einen Konflikt erst erzeugen. Das nennt man Eskalation. Ich habe mich eine Weile mit Gewaltforschung befasst und kann nur sagen, das ist ein Schritt hin, die Gewalt zu verschärfen. Das gleiche gilt freilich für diese Böllerattacke als auch für die traditionell auf solchen Demos gepflegten Pauschalfeindbilder von der Polizei als das uniformierte Böse.
Das genau meine ich nicht. Ich gehe bei einem “normalen” Linken von vorn herein davon aus, dass er Gewalt strikt ablehnt. Das ist ja eigentlich das Selbstverständnis dieser Denkrichtung. Ich beziehe meine Ausführungen auf persönliche Erfahrungen, in denen viele (sogar die meisten) im Gespräch sehr wohl Verständnis für solche Dinge aufbringen. Wahrscheinlich wird das deshalb getan, um die Schuld an dieser Gewalt anderen zuzuschieben. Z.B. dem Kapitalismus oder ähnlichem.
Ich persönlich kenne solche Leute nicht (mehr). Aber natürlich hört man vor und nach dem 1. Mai immer wieder solche Stimmen, die irgendwie Gewalt verharmlosen, keine Frage. In meinem Bezirk in Berlin finden sich außerdem dann und wann Plakate linker Gruppen, die schon sprachlich ziemlich militant sind. Da taucht dann eine Mischung auf aus vereinseitigter sozialwissenschaftlicher Theorie und einer technokratischen Kälte. Der bekämpfte Gegner wird als schmerzempfindlicher Mensch aus Fleisch und Blut ausgeblendet und als Systemknecht zu einem Stereotyp. Das erleichtert die Rechtfertigung von Gewalt.
Mit solchen Leuten möchte ich persönlich auch nicht zusammen demonstrieren. Mir ist ohnehin schleierhaft, wieso die Polizei das wesentliche Feindbild ist, wo diese doch bloß Instrument der wie auch immer wahrgenommenen Herrschenden wäre, auch nach vulgärmarxistischem Verständnis.
Für Interessierte: Wie aus einem in Italien handelsüblichen Silvesterknaller Splitterbomben, linker Terrorismus und das Lecken der Finger der Hardliner aus der Union wurde – prima Vorwand, um Freiheitsrechte weiter abzubauen: http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/ein-dumpfer-knall-mit-folgen/
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Nochmal mein Kompliment an Blogfürst. Ich teile zwar deine Weltanschauung / Menschenbild nicht, aber ich respektiere deine Meinung. Mit diesem Eintrag hast du dir und mir gleichermaßen keinen Gefallen getan.
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Wie schon häufiger in den Kommentaren geäußert: etwas mehr Sachlichkeit stünde deinem Blog gut zu Gesicht.
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