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Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei Ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

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Broder zu Reich-Ranicki

blogfuerst 7. Juni 2010

Aus Henryk M. Broders Laudatio bei der Verleihung der Ludwig-Börne-Medaille an Marcel Reich-Ranicki:

Ich erinnere mich an einen wunderbaren Satz von Ihnen, den Sie gesagt haben, als Sie um Ihre Meinung über den Film “Der Untergang” gefragt wurden, speziell darüber, ob es richtig wäre, Hitler nicht als Monster, sondern als einen Menschen zu zeigen. “Natürlich war Hitler ein Mensch”, polterten Sie zurück, “was soll er denn sonst gewesen sein, etwa ein Elefant?”

[...]

Er wollte wissen, ob Sie sich nach dem Kriege so verhalten hatten, wie man es von einem Überlebenden des Holocaust erwarten sollte, ob Sie also durch die Leiden geläutert worden waren wie ein Pilger am Ende des Jakobsweges. Hinter dem Bemühen steckte nichts als die Empörung darüber, dass Sie überhaupt überlebt hatten und, statt demütig in einer dunklen Ecke zu sitzen und wie Hiob mit Gott zu hadern, lieber im Rampenlicht der Öffentlichkeit Ihre Runden drehten: frech, laut und mit einer unbändigen Freude am eigenen Witz.

[...]

Jetzt wäre es an der Zeit, dass wir uns fragen, warum wir eine Wiederkehr der jüdischen Frage erleben, diesmal in Form des ungelösten Nahost-Konflikts. [...] Wir müssen uns fragen, ob es zu den Aufgaben und Pflichten von Abgeordneten des Bundestages gehört, auf einem Schiff nach Gaza zu dampfen, das von einer islamistischen Organisation gechartert wurde.

Wenn wir nicht über die fortschreitende Dämonisierung und Delegitimierung von Israel reden, werden wir in der Paulskirche bald eine Gedenkfeier für die Opfer der zweiten Endlösung abhalten können. Und für die Literaturinteressierten unter Ihnen wird es Seminare geben, in denen die Arbeiten von Amos Oz, A. B. Jehoschua und David Grossmann durchgenommen werden, so wie heute in Seminaren die Werke von Isaak Baschevis Singer, Bernard Malamud und Isaak Babel behandelt werden – als literarische Testamente einer untergegangenen Welt.

Der 90. Geburtstag eines Zeugen des 20. Jahrhunderts ist genau der richtige Anlass, um einen Moment innezuhalten und sich zu fragen: Könnte es sein, dass die großen Katastrophen nicht hinter, sondern vor uns liegen? Wir sind damit beschäftigt, geschehene Desaster zu analysieren und auszuwerten, statt potentielle zu erkennen und im Ansatz zu verhindern. Wir trauen uns zu, den Anstieg der Welttemperatur auf zwei Grad zu begrenzen, aber wir sind nicht in der Lage, Iran von seinen Atomplänen abzubringen.

In Nordrhein-Westfalen soll demnächst eine Stiftung gegründet werden, deren Initiatoren es sich vorgenommen haben, jedem Schüler in NRW und später in der ganzen Republik eine Studienreise nach Auschwitz zu ermöglichen. Damit sollen sie gegen antisemitisches Gedankengut immunisiert werden. Die Idee ist nicht schlecht, aber nicht ganz zu Ende gedacht. Sie basiert auf der Überlegung, dass ein zweites Auschwitz verhindert werden muss. In diesem Falle müssten die Schüler aber nicht nach Oswiecim in Polen sondern nach Afula, Metulla, Kfar Saba und Sderot geschickt werden. Der passende Name für das Projekt wäre: “Besuchen Sie Israel, solange es noch existiert.”

[...]

Ich verneige mich vor Ihrem Leben.

Bleiben Sie gesund. Bleiben Sie stark, bleiben Sie böse.

Vor allem aber: Bleiben Sie!

Den Worten Broders ist nichts hinzuzufügen

 

Eine Reaktion zu “Broder zu Reich-Ranicki”

  1. Der Moslemam 8. Juni 2010 um 10:23 Uhr

    “bleiben Sie böse”
    Ja, das ist der Fingerabdruck eines wahren Radovan Henryk M. Broder … Hass bringt Ausfmerksamkeit, HaSS bringt Geld. Und wenn auch mal Blut fliesst, hat er endlich was Sinnvolles erreicht.

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