Offener Brief an die Griechen
blogfuerst 7. Mai 2010
Meine lieben griechischen Freunde,
angesichts der aufgeheizten Stimmung bei uns und bei Euch, möchte ich ein paar Zeilen an Euch richten, weil ich glaube, dass es dringend notwendig ist in diesem ganzen Finanzschlammassel das Menschliche nicht untergehen zu lassen.
Völlig unabhängig davon, wer wem wann wieviel zahlt, oder wer wann falsche Zahlen irgendwo in die Welt gesetzt hat – möchte ich folgendes kundtun:
Ich liebe den griechischen Lebensstil (quasi das “Dolce Vita” auf griechisch…). Die mediteraneae Aufgeschlossenheit und die Fröhlichkeit von Euch lassen mein Herz regelmäßig aufgehen. Auch rangiert Griechenland und seine Strände bei mir als Urlaubsland ganz oben, was sich auch nicht ändern wird, egal welchen Verlauf die Wirtschaftsgeschichte nehmen wird. Darüber hinaus halte ich rein gar nichts von Forderungen nach einem Ausschluss Griechenlands vom Euro oder gar von der EU (Währungspolitik hat in meinen Augen wenig mit der Staatsverschuldung eines Staates zu tun, solange nicht die Gelddrucker angeworfen werden)
Auch muss ich mich von jeglichen Vorwürfen und Besserwisserei meiner deutschen Landsleute distanzieren. Nicht weil diese richtig oder falsch wären – sondern einfach deshalb weil sie heuchlerisch sind. Bei den Finanzhilfen geht es in Europa niemandem um Euer Wohlergehen. Es geht einzig und allein um den Gläubigerschutz. Also um das Geld der Geldgeber – also uns. Insofern kann ich Eure Proteste ein Stück weit sogar nachvollziehen – auch wenn über kurz oder lang an drastischen Einschnitten bei Euch kein Weg vorbei führt. Aber das ist Eure Angelegenheit, in die ich mir nicht anmaße mich einzumischen.
Deshalb und auch aus anderen Gründen, bin ich gegen jede Form von Finanzhilfe. Ihr ja auch, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich glaube eine kontrollierte “Insolvenz” für Euer Land wäre das Beste für alle Beteiligten. Aber das will in Europa ja leider niemand. Letztlich ist es auch egal, wie diese Geschichte ausgeht – ich werde nach wie vor gerne Urlaub in Griechenland machen und ich werde auch mit besonders großer Freude – egal ob in Deutschland oder Griechenland – mich mit Euch zu einem Bierchen oder Ouzo verabreden. Dabei ist es mir völlig egal, um wieviel Nullen ihr bei der Euro-Einführung getrickst habt. Das hat nichts mit dem Menschlichen zu tun. Ich hoffe, dass das was uns verbindet – das gemeinsame kulturelle und humanistische Erbe, sowie die jahrtausende alte “Nachbarschaft” in Europa – in dieser finanzpolitischen Schlammschlacht nicht in Vergessenheit geraten.
- Finanzkrise , Gesellschaft
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