Heuchelei des CCC [SIGINT]
blogfuerst 15. Mai 2010
Beim Jahresrückblick (ab ca. 26. Minute) auf dem Chaos Communication Congress 2009 wurde von den CCC’lern angekündigt und gewünscht, dass auf der SIGINT im Mai 2010 stärker (netz-)politisch diskutiert wird, da auf dem CCC nicht so viele Stände erwünscht sind. Insbesondere wurde angekündigt, dass mehr Gruppen auf den “Markt der Möglichkeiten” kommen sollten. So auch und insbesondere Parteien. Der Austausch mit Parteipolitikern war den CCC’lern damals wohl ein besonderes Herzensanliegen. So zumindest wurde es wie gesagt angekündigt.
Jetzt hat sich herausgestellt, dass der CCC auf der politischen SIGINT keine Parteien haben will bzw. keine Stände von ihnen zulässt. Dass der CCC sich nicht einmal an seine wenige Monate alten Ankündigungen gebunden fühlt und mal eben das Gegenteil dessen tut, was er versprochen hat ist schon schlimm genug. Was mir aber so richtig sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass der CCC für sich und andere mehr Einfluss und Beteiligung in Parlament und Gesetzgebung fordert und diese sogar erhält in Form von Sitzen in der neuen Enquete-Kommission. Im Gegenzug aber jede Beteiligung, Einmischung, und Information von den anderen im Parlament sitzenden Leuten – MdB’s aus den Parteien – auf seiner Veranstaltung unterbindet.
Daraus lässt sich nur ein Schluss ziehen: Dem CCC geht es gar nicht um stärkere Kommunikation und Aufklärung mit der Politik, sondern einfach nur um Macht und Einfluss. Damit ist der CCC auf dem besten Wege zu einer Lobbyisten-Organisation zu werden wie es sie schon zu Hauf gibt. Wenn das so weiter geht, dann wirds wohl auch Zeit für eine eigene “CCC-Rubrik” hier. Eine ist ja quasi wieder frei geworden.
- Bürgerrechte , Politik
- 2 Kommentare




[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von frank kuller erwähnt. frank kuller sagte: http://www.blogfuerst.de/2010/05/heuchelei-des-ccc-sigint/ [...]
Ich will dir ja nicht deine Illusionen nehmen, aber das hält der CCC seit Jahren so. Seit Jahren reklamieren insbesondere die technokratischen Berliner einen Alleinvertretungsanspruch und geben nach aussen die Totalopposition zur Politik.
Hinter den Kulissen schaut es freilich ganz anders aus. Da sitzen die gleichen Leute, die auf dem Congress Revoluzzer spielen, in politischen Hinterzimmerveranstaltungen und beissen alles weg, was auf zivilgesellschaftlicher Seite/bzw. aus der Community zur Konkurrenz werden könnte. Ja, natürlich geht es da um Macht und Posten. Um was denn sonst?
Bei der SIGINT 2009 bestand kurz Hoffnung, dass sich ein Gegengewicht entwickeln könnte. Spätestens mit der oben zitierten Absichterklärung (Hör mal auf die Zwischentöne!) auf dem Congress war der Takeover aber abzusehen.