Kasse der Kranken
blogfuerst 18. April 2010
Der berüchtigte Gesundheitsfonds war ja “der große Reformdurchbruch” der vergangenen großen Koalition. Wer nicht mehr genau weiß, was der Gesundheitsfonds war – hier wirds erklärt:
Wenn zwei staatsgläubige Bürokratieparteien sich zusammentun, ist so ein Ergebnis eigentlich vorprogrammiert. Jetzt ist es ja so, dass die Deutschen doppelt so häufig zum Arzt gehen, wie in anderen europäischen Ländern und deshalb die Gesundheitskosten so viel höher liegen – obwohl die Deutschen nicht kränker sind als andere Europäer. Das naheliegenste wäre hier, dass man gesundsein und wenig Arztbesuche fördert. Genau das will der Gesundheitsfonds aber verhindern, indem er Kassen bevorteilt, die besonders viele Kranke haben. Mit anderen Worten: Um Kosten im Gesundheitswesen zu sparen, sollen die Leute noch kränker werden und noch öfters zum Arzt gehen. Klingt komisch? Ist es auch. Aber bei Union und SPD hat sich der politische Sachverstand schon vor Jahren verabschiedet. Das ist aber noch nicht die Spitze von Absurdistan. Man könnte jetzt meinen, dass es nicht allzu schwierig sein dürfte für eine Kasse unnötige zusätzliche Kosten zu produzieren. Offenbar sind die Reformer aber sogar zu blöd Geld auszugeben (was sowieso nicht da ist). Denn so einfach ist das mit dem Kosten produzieren für die Funktionärsparteien wohl doch nicht:
Die City BKK ist eigentlich eine Krankenkasse, die für den Gesundheitsfonds wie gemacht ist. Bei ihr sind überdurchschnittlich viele Rentner versichert, also Patienten, die häufig medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Und weil im deutschen Gesundheitswesen nicht Gesund-, sondern Kranksein belohnt wird – die Kassen bekommen einen Teil der Zuweisungen aus dem Fonds entsprechend der Krankheiten ihrer Versicherten – , müsste die City BKK vom System profitieren.
Dass sie es nicht tut, lässt sich so begründen: Die City BKK hat zwar die richtigen Patienten, allerdings am falschen Ort. Das Gros ihrer Mitglieder lebt in Berlin und Hamburg. In den beiden größten deutschen Städten gibt es allerdings an jeder Ecke einen Arzt, zig Krankenhäuser – und auch sonst noch allerlei sogenannte Leistungserbringer, die um Patienten buhlen.
Egal zu welcher politischen Richtung man tendiert. Dass dieses System wieder abgeschafft werden sollte, dürfte unbestritten sein. Vielleicht gelingt es Philipp Rösler ja zur Abwechslung etwas vernünftiges in der Gesundheitspolitik zustande zu bringen. Immerhin ist er Arzt und kennt das System von innen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern – einer Ex-Kommunistin und einem Phrasendrescher.
- Absurdistan , CDU/CSU , SPD , Sozialpolitik
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