Vom Unsinn eines “Datenbriefes”
blogfuerst 2. März 2010
Ich weiß nicht mehr genau wer die Idee eines sogenannten “Datenbriefes” hatte, der jährlich von allen Unternehmen an alle ihre Kunden verschickt werden soll. Ich weiß nur, dass es ein Unionschrist war. Wenn ein Vorschlag für mehr Datenschutz aus der Unionsecke kommt, sollte man erstmal skeptisch werden, statt fröhlich einzustimmen. Eine Pflicht für alle Unternehmen (und das sind praktisch alle Firmen in Deutschland, die irgendwelche Daten ihrer Kunden haben) jährlich einen Datenbrief an ihre Kunden zu schicken, ist so dermaßen lächerlich, dass es sich eigentlich gar nicht lohnt darüber zu diskutieren. Abgesehen davon, dass es 95% der Kunden wenig interessieren dürfte, welche Daten bei ihren Vertragspartnern gespeichert sind (social networks mal ausgenommen), was 95% der Kosten für einen solchen Datenbrief zu rausgeschmissenem Geld macht – wäre es viel sinnvoller ein effektives und umfassendes Auskunftsrecht von Betroffenen gesetzlich zu verankern. Den 5% die es wissen wollen, wäre mehr geholfen, wenn sie ein justiziables Auskunftsrecht an die Hand bekämen. Es nützt ja keinem was, wenn er bestimmte vom Gesetzgeber verlangte Daten, unaufgefordert zugeschickt bekommt. Außer der Deutschen Post, die damit Millionen zusätzlicher Briefsendungen transportieren müsste, nützt diese Idee niemandem. Im Gegenteil, mit solch einer Regelung dürften die Briefkästen vieler Haushalten dann ständig mit solchen Datenbriefen verstopft werden. Eine Maßnahme also, die außer Kosten nichts produziert. Aber vielleicht ist das auch der Hintergedanke – eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Post.
- Absurdistan , Datenschutz
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Punkt 1: Die 5%, die es interessiert, haben meist nicht die Möglichkeit herauszufinden, wer alles über sie Daten speichert. Man müsste dann rekursiv alle Firmen anschreiben, die Daten über einen gespeichert haben und weiterverkauft haben und dann diese Firmen wiederum anschreiben und so weiter und so weiter. Die Kosten für den Einzelnen könnten sehr schnell sehr sehr groß werden, abgesehen von der Zeit, die investiert werden muss, was für Einzelne schlichtweg kaum zu schaffen wäre.
Punkt 2: Du denkst doch nicht ernsthaft, dass hier Firmen die Post nutzen würden. Ich bitte Dich, das ist ein ineffizientes Staatsunternehmen
Punkt 3: Natürlich eher in der Kategorie “gut gemeint” einzuordnen. Veilleicht sollte man den großen Datendealern erstmal einen Riegel vorschieben: Staat und deutsche Post…
Also ich finde, das ist eine gute Sache. So werden in den Firmen auch endlich die Mitarbeiter richtig ausgelastet, die seit Anfang des Jahres monatlich die ELENA-Meldungen (http://de.wikipedia.org/wiki/ELENA-Verfahren) verschicken. Das sichert Arbeitsplätze. Nicht nur bei der Post.
Nunja, aber wir wissen ja alle wohin “gut gemeinte” Vorhaben in der Politik führen….
Ich persönlich wehre mich ja nicht gegen eine grundsätzliche Pflicht zur Mitteilung von Daten. Das kann man ja durchaus “einmalig” machen. Ich sehe nur einfach nicht den geringsten Sinn darin, sowas jährlich zu wiederholen. Da wird in 99% der Fälle nichts neues drinne stehen. Das produziert nur unglaublich hohe Kosten, die letzten Endes wieder der Bürger zahlen muss.
Besser als ein Datenbrief wäre darüber hinaus ein gesetzlich vorgeschriebenes Verfallsdatum für gespeicherte Daten aller Art. Da erübrigt sich dann auch der Datenbrief, wenn Daten nach einer Höchstfrist von z.B. 3 Jahren endgültig gelöscht werden müssen.
Ich finde es befremdlich, dass alle auf diese Schnappsidee mit dem jährlichen Datenbrief nun aufspringen.
Wie der Chaos Computer Club längst tote und begrabene Daten wieder zum Leben erwecken will, die Netzgemeinde Beifall klatscht und auch die Politik die Schaufel auspackt um längst verstorbene Datenleichen wieder auszugraben. Warum diese Idee das Zeug dazu hat im datenschutzrechtlichen äquivalent zu Tschernobyl zu enden und ein eklatanter Verstoß gegen das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung ist:
http://pflaumensaft.wordpress.com/2010/03/04/die-ruckkehr-der-datenleichen/
[...] diesem Artikel hatte ich ja schonmal gegen die hinrverbrannte Schnappsidee des Chaos Computer Clubs (CCC) [...]
Ach, das hätte ich zuerst lesen sollen: du sagst ja selber, dass eine Verfallszeit der gespeicherten Daten sinnvoll ist. Wieso dieses Polemisieren gegen den Datenbrief? Über Details (jährlich, halbjährlich, Brief, E-Mail usw.) lässt sich doch reden. Und was meinst du, blogfuerst, wie schnell aus den 95%, die es nicht interessiert, womöglich weil sie nichts davon wissen, beim Erhalt der ersten Datenbriefe 50% oder noch weniger werden? Nur weil eine Aufklärung nicht stattfindet, darf man nicht damit argumentieren, dass Aufklärung prinzipiell nicht nötig sei. Ich jedenfalls bin froh, dass wir heutzutage keine “Hexen” mehr verbrennen.
[...] krumm, wie die Hinterbeine eines Hundes. Am 2. März schrieb der Blogfürst in “Vom Unsinn eines “Datenbriefes”” (blogfuerst.de): Ich weiß nicht mehr genau wer die Idee eines sogenannten [...]