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Türkisch in Deutschland

blogfuerst 24. März 2010

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat bei einem Treffen mit Angela Merkel gefordert, in Deutschland müssten (auch) türkische Gymnasien errichtet werden. Weiter führt er aus, dass die Türken in Deutschland zunächst die eigene Sprache beherrschen müssten, bevor sie weitere lernen könnten. Die erste Forderung von Erdogan halte ich für nicht erstrebenswert. Seiner zweiten Aussagen kann ich hingegen uneingeschränkt zustimmen.

Was wir in Deutschland überhaupt nicht gebrauchen können, sind türkische Schulen oder Universitäten. Solche Einrichtungen verhindern m.E. die notwendige Integration türkischstämmiger Migranten in Deutschland. Allerdings hat Erdogan völlig Recht mit der Aussage, dass Kinder mit türkischem Migrationshintergrund in der Schule türkisch lernen sollten. In den Erziehungswissenschaften ist es längst erwiesen, dass diejenigen Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, erstmal in ihrer ersten Muttersprache – türkisch – fit sein müssen. Wer seine Muttersprache nicht richtig beherrscht, kann auch keine weitere Sprache -wie Deutsch- richtig lernen. Insofern würde ich sehr stark dafür plädieren, dass überall dort, wo entsprechende Klassenstärken erreicht werden, Türkisch-Unterricht für die türkischen Muttersprachler allgemein verpflichtend angeboten und unterrichtet werden sollte. Das ist letztlich der einzige Weg, wie man dafür Sorge tragen kann, dass jedes türkische Kind in Deutschland auch die deutsche Sprache sicher erlernen und beherrschen kann.

 

3 Reaktionen zu “Türkisch in Deutschland”

  1. dsam 24. März 2010 um 18:45 Uhr

    Integration ist ja so ein schwieriges Thema…
    Und es kommt nicht selten vor, dass Türkischstämmige weder deutsch noch türkisch richtig sprechen können.
    Wenn man türkischstämmigen Menschen nun erst Türkisch beibringt hält das die Integration nicht noch weiter auf?
    Das würde doch bedeuten sie müsten Deutsch, was als Fach ja seit der 1. Klasse einfach dazugehört, Türkisch und Englisch, was neuerdings auch in der Grundschule unterrichtet wird, lernen.
    Das sind immerhin 3 Sprachen, wovon 2 “perfektioniert” werden würden.
    Und es ist ja generell nicht allzu leicht eine Sprache zu lernen, da käme eine Belastung hinzu, die auch wiederum als ungerecht bezeichnet werden könnte.

    Und das “Türkisch-Unterricht für die türkischen Muttersprachler allgemein verpflichtend angeboten und unterrichtet werden sollte” ist doch bereits eine Separierung von Türkischstämmigen von anderen, oder nicht? Das ist ja dann auch keine Integration mehr, wenn allein aufgrund der Herkunft getrennt unterrichtet wird.
    Für Integration muss in DE zwar noch sehr viel getan werden, aber was hier Erdogan fordert halte ich doch für nicht vertretbar/machbar.

  2. blogfuerstam 24. März 2010 um 20:29 Uhr

    Für eine erfolgreiche Integration ist es absolut notwendig, dass die deutsche Sprache sicher beherrscht wird. Da aber bei vielen Deutsch nicht die erste Muttersprache ist, sondern die Zweit- /Fremdsprache, muss sie in der Schule erst beigebracht werden. Soweit ich informiert bin, ist es unter Pädagogen unbestritten, dass man eine “zweite” Sprache erst dann richtig lernen kann, wenn man seine “erste”/Muttersprache richtig beherrscht.
    Die von dir angesprochenen Kinder, die weder türkisch noch deutsch richtig sprechen können, sind ganz genau die Zielgruppe, die vom Türkisch-Unterricht profitieren würde. Erst damit wird überhaupt erst die Voraussetzung geschaffen, dass die auch Deutsch richtig lernen können.
    Ich glaube nicht, dass ein verpflichtender Türkisch-Unterricht segregierend wirken würde. Man könnte ihn ja einfach nebenher betreiben, so wie man auch unterschiedlichen Religionsunterricht anbietet.

  3. lepusam 24. März 2010 um 22:45 Uhr

    Zitat: Soweit ich informiert bin, ist es unter Pädagogen unbestritten, dass man eine “zweite” Sprache erst dann richtig lernen kann, wenn man seine “erste”/Muttersprache richtig beherrscht.

    Das ist möglicherweise von Belang, wenn man Sprachwissenschaftler werden will und beschreibt den Idealzustand, in dem die erste Sprache früh, korrekt und intensiv erworben wird. Das ist bei den Migranten so gut wie nie der Fall, deshalb kommen die mit der Ausschließlichkeit in einem anderssprachigen Umfeld verbundenen Nachteile zum Tragen.
    Kinder können sehr wohl gut zweisprachig aufwachsen. Es gibt genügend Beispiele.

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