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“One-Size-Fits-All”-Gebaren des CCC

blogfuerst 13. März 2010

Der CCC ist offenbar sehr erfreut über die angestoßene Diskussion um den Datenbrief, wie man am Beitrag von Constanze Kurz in der taz lesen kann. Dies bestätigt die Befürchtung, dass der CCC nicht beabsichtigt die mit mehr Nach- als Vorteilen verbundene Idee eines Datenbrief fallen zu lassen. Einen äußerst treffenen Kommentar hat ein Nutzer in dem entsprechenden Netzpolitik-Beitrag geschrieben:

Das ist der armselige Versuch ein soziales Problem, technisch zu lösen in dem man es technisch und invers darstellt. Es wird nicht berücksichtigt das unterschiedliche Menschen unterschiedliche Ansprüche an Privatsphäre und Datenschutz haben. Einen Brief zu versenden, hilft der Post, aber nicht den Nutzern. Wenn ich selbst in der Lage bin eine beliebige Organisation aufzufordern, meine Daten nicht an Dritte und nicht über die jeweilige Transaktion hinaus zu fordern. Die GEZ braucht z.B. mein Geburtsdatum nicht, und wenn ich mich dort abmelde, steht da bestenfalls meine Adresse und ein Vermerk das ich keine Rundfunkgeräte nutze, oder das ich mit jemanden zusammen lebe, der Rundfunkgeräte nutzt, und ich selbst keine besitze. Diese One-Size-Fits-All Gebaren des CCC zeigt das selbst eine Organsation wie der CCC weit weg von den Wünschen seiner Mitglieder Politik macht und die Lösung nicht mal im Ansatz für mehr Datenschutz oder mehr Privatsphäre sorgt, sondern nur für mehr Papier. Danke CCC, eure Konzepte sind genauso unsinnig wie die der Politiker. Mit so einer Datenflut oder einem totem Konzept kann man keine ernsthafte Debatte führen.

Die Diskussion um den Datenbrief mit CCC’lern erinnert mich in schockierender Weise an die Diskussionen zwischen der “Netzgemeinde” und den Netzsperren-Befürwortern. Die einen verzweifelten an dem mangelnden technischen Verständnis der Diskussionsgegner, während die anderen nicht von ihrem Vorhaben ablassen wollten und mit vermeintlichen “Zugeständnissen”, Detailmaßnahmen oder restriktiven gesetzlichen Bestimmungen versuchten den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das wiederholt sich jetzt hier. Nur sind jetzt quasi die Seiten vertauscht. Auf der einen Seite der CCC, dessen Führungsleute offenbar über keinerlei unternehmerische Erfahrung (Stichwort: Bürokratie, etc), sowie keinen Jota juristischen Sachverstand verfügen. Sonst wäre dem CCC aufgefallen, was für Kosten und Aufwendungen ein Datenbrief im Vergleich zu seinem geringen Nutzen aufbringen würde. Darüber hinaus hätte ein klein bisschen juristischer Sachverstand ausgereicht, um festzustellen, dass den notorischen Datensammlern und Datenhändlern mit einem gesetzgeberischen Federstrich das Handwerk gelegt werden könnte (Abschaffung des Listenprivilegs). Auf der anderen Seite viele “Nicht-CCC’ler” die den ganzen Ansatz des Datenbriefes für falsch halten. Der Ansatz des CCC beim Datenbrief ist offenbar ein erzieherischer: Das Datensammeln soll nicht verboten werden, sondern nur “erschwert”  bzw. “teurer/aufwendiger” werden. Das ist genau die gleiche Argumentationslinie der Netzsperren-Befürworter, die den Zugang zu KiPo-Seiten nur “erschweren” wollten, statt sich darauf zu konzentrieren diese Seiten ganz vom Netz zu nehmen. Die seitens des CCC an den Tag gelegte Beratungsresistenz und Unkenntnis über den Alltag in Firmen und der Rechtslage, ist äußerst erschreckend und hätte ich diesen Leuten so nicht zugetraut. Vielleicht sprechen die wenigen “politisch Aktiven” im CCC aber in der Sache gar nicht für die Mehrheit der “stillen” CCC-Mitglieder. Wie bei fast allen Organisationen, die in kurzer Zeit einen starken Zuwachs an öffentlicher Medienaufmerksamkeit erfahren, sind wohl auch ein paar CCC’ler vom “PR-Virus” befallen worden, das im Regelfall zu Beratungsresistenz und mangelnder Bodenhaftung führt.

 

2 Reaktionen zu ““One-Size-Fits-All”-Gebaren des CCC”

  1. Andreasam 24. März 2010 um 13:01 Uhr

    Lieber Blog Fürst (mit Deppen Leerzeichen?),

    ich finde es ja ausgesprochen bemerkenswert, daß du ein paar Blogpostings vorher padeluuns Recht auf informationelle Selbstbestimmung mit Füßen trittst, und dann in diesem Artikel direkt mit den Kosten eines Datenbriefs und dem bürokratischen Overhead argumentierst. Interessant ist auch, daß genau der von dir verlinkte Artikel alles andere als eine verbohrte “one size fits all”-Läsung fordert, wie das von dir dargestellt wird, sondern erst einmal den grundsätzlichen Punkt einer Informationspficht für Datenspeichernde zur Debatte stellt, und genau die von dir angesprochenen Probleme auch gleich als solche benennt.

    Aber klar, erst mal feste druffkloppen…

  2. Frankam 24. März 2010 um 17:19 Uhr

    Deine Dastellung des Datenbrief-Konzeptes ist leider grob verzerrend und nicht mal im Ansatz dem Stand der Diskussion entsprechend. Natürlich geht es nicht darum, den Versand von physischen Briefen zu erzwingen. Worum es geht, ist Datenverarbeiter dazu zu bringen, denjenigen, deren Daten sie nutzen, von sich aus auf dem sichersten und praktikabelsten Weg davon in Kenntnis zu setzen. Siehe z.B. http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/denn-sie-sagen-nicht-was-sie-tun/

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