Jericho-Realität
blogfuerst 28. März 2010
Als auf Kabel1 kürzlich die TV-Serie “Jericho” (wieder) neu startete hab ich sie mir mal angeschaut und bin irgendwie recht deprimiert und besorgt zurückgeblieben. Es wird nämlich die erschreckende Realität einer Welt gezeigt, in der Strom und Kommunikation plötzlich vollständig ausfallen. Die dafür ursächliche überrregionale Katastrophe (Atombombenexplosion) bewirkt darüber hinaus, dass auch sonst jede Art von Verkehr zusammengebricht.
Mehr oder weniger ganz genauso wie in Jericho dürften sich die Menschen in Chile nach dem verherenden Erdbeben vor ein paar Wochen gefühlt haben. Kein Strom, kein Telefon, keine Versorung mit Gütern und Lebensmitteln wegen der vielfach unpassierbaren Straßen. Zumindest musste ich nach dem Betrachten der ersten Episode an diese reale Katastrophe denken. Dadurch wird einem erst klar, wie abhängig und lebenswichtig Strom für uns geworden ist. Ohne Strom steht eigentlich unsere Gesellschaft, ja das ganze Leben still. Die vom Strom abhängigen modernen Mobilfunk- und Festnetze funktionieren bei einem weiträumigen Stromausfall nicht mehr. An den Tankstellen kann kein Treibstoff mehr getankt werden, weil die Zapfsäulen alle mit Strom laufen. Gekühlte frische Lebensmittel tauen auf, die Straßen sind nachts stockdunkel. Feuerwehr und Polizei können nicht mehr per Notruf erreicht werden. Krankenhäuser mit ihren Operationssälen und Intensivstationspatienten bekommen nach Reserveverbrauch der eigenen Notstromversorgung ebenfalls schwerwiegende Probleme… und so weiter. Es gibt noch viele weitere selbstverständliche Dinge, auf die wir plötzlich verzichten müssen. Im Verlauf von Jericho werden sie einem Stück für Stück vorgeführt. Das erschreckende daran ist, dass ein längerfristiger Stromausfall auch bei uns nicht undenkbar erscheint. Selbst in den USA gab es ja jüngst ähnliche verheerende Stromausfälle.
Zu Zeiten des Kalten Krieges war der Katastrophen- und Zivilschutz noch sehr gut ausgeprägt (Ich denke nur an die Lebensmittelmarken, die im Falle des Krieges die Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen sollten, sowie die Möglichkeit der “Beschlagnahmung” diverser privater Dinge wie LKWs, zur staatlichen Nutzung, etc.). Ein überregionaler vollständiger Zusammenbruch der zentralen Grundversorgung – insbesondere in Ballungsgebieten – dürfte indes logistisch kaum zu bewältigen sein. Egal ob ein heftiger Orkan oder ein starkes Schneetreiben, das regional für längerfristige Stromausfälle gesorgt hat – irgendwann wird es mit Sicherheit wieder zu ähnlichen Ausnahmezuständen kommen.
Solche Ausfälle treffen unsere “Just-in-Time”-Wirtschaft umso heftiger, da Bevorratung (wie im Kalten Krieg) ja kaum noch praktiziert wird. Vielleicht sollte man stärker auf regionale (Selbst-)Versorung setzen. Zum Beispiel könnte man Grundnahrungsmittel primär von regionalen Herstellern kaufen, damit diese gestärkt werden und unabhängig von externen Bedingungen arbeiten können. Auch könnte man mit mehr dezentralen Blockheizkraftwerken, die Stromversorgung regionalisieren und damit gleichzeitig die Monopole der Energieriesen unterlaufen. Es spricht also einiges dafür, dass man sich wieder mehr mit dem auseinandersetzt was in der unmittelbaren Umgebung/Umwelt passiert, statt Tomaten aus der Südsee, Kiwis aus Neuseeland, Mineralwasser aus Frankreich und Bananen aus der Karibik zu kaufen. Denn all das wird es in einem “Jericho-Szenario” nicht (mehr) geben.
- Gesellschaft , Terrorangst , Wirtschaft
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