Ihr Browser versucht gerade eine Seite aus dem sogenannten Internet auszudrucken. Das Internet ist ein weltweites Netzwerk von Computern, das den Menschen ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation bietet.

Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei Ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

Die Umgehung dieser Ausdrucksperre ist nach §95a UrhG verboten.

Mehr Informationen unter www.politiker-stopp.de.

heise und Scientology

blogfuerst 14. Dezember 2009

Zugegeben die Überschrift ist wohl etwas arg plakativ. Allerdings stellt sich mir schon die Frage, welchen Zweck der heise-Verlag bzw. die Telepolis-Redaktion verfolgt, wenn sie Ängste und Vorurteile gegen Psychopharmaka, Antidepressiva und damit in letzter Konsequenz gegen psychische Probleme schüren.

In allen Berichten von TP schwingt mit, dass die Wirksamtkeit von Antidepressiva angezweifelt wird. Überall wird geschrieben, dass Antidepressiva ja “weniger wirksam” seien bzw. “genauso wirksam” wie Placebos. Konkrete Zahlen werden nie genannt. Stattdessen werden zwielichtige Autoren zitiert, die mit Metastudien sich die Zahlen so hinbiegen, dass sie ins eigene Weltbild passen. Dabei weiss jeder Statistiker, dass Meta-Studien in den meisten Fällen nur dazu genutzt werden, die Ergebnisse zu produzieren, die man haben möchte. Das lässt sich ganz einfach durch das Ansätzen verschiedenster statistischer Methoden bewerkstelligen, bei denen man dann am Ende die auswählt, deren Ergebnis irgendwie am besten aussieht. Wer im Rahmen wissenschaftlicher Auseinandersetzungen wichtige Wahrheiten weglässt, darf seine Aussagen höchstens noch als Propaganda bezeichnen. Den wenigsten Antidepressiva-Kritikern dürfte bekannt sein, dass bei einer riesigen Anzahl von sonstigen Schulmedizin-Medikamenten die Wirksamkeit viel, viel niedriger ist als bei Psychopharmaka. Während ein Wirkungsgrad von unter 70% bei Antidepressiva schon Kritiker auf den Plan ruft, wird jeder Blutdrucksenker mit einem Wirkungsgrad von 40% klaglos akzeptiert. Erst dadurch wird klar, dass es bei Psychopharmaka-Kritik gar nicht um das Wohl von Menschen geht. Untrennbar verbunden mit Psychopharmako-Kritik, ist regelmäßig eine gesellschaftspolitische Kritik am Kapitalismus. In den Köpfen dieser Leute ist nur Platz für die Vorstellung, dass raffgierige Pharmaunternehmen und ihre Lobbyisten die Welt und das Denken beeinflussen, um damit Profit zu machen. Es geht sogar soweit, dass Depressionen als Ergebnis des Neoliberalismus gedeutet werden und nur dessen Abschaffung Heilung für alle Depressiven verspricht. Letztlich fechten Psychopharmako-Kritiker einen Ideologie-Kampf gegen Kapitalimsus bzw. Neoliberalismus aus. Das schlimme daran ist, dass sie auf dem Rücken von kranken Menschen ausgetragen werden. Ja die Kranken werden sogar für diese Debatte missbraucht.

Wer denkt, dass Antidepressiva überflüssig sind und Betroffenen nur mit gutem Zureden geholfen werden kann, der leugnet letztlich den pathologischen Charakter von Depressionen. Ansonsten müssten sich diese Leute konsequent gegen jeglichen Einsatz von Medikamenten aussprechen.

Es sind genau diese Leute mit solchen Ansichten und solchen Artikeln, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen wie Robert Enke nicht rechtzeitig die richtige Behandlung erfahren. Sie sind indirekt für den Tod vieler Menschen mitverantwortlich.

Hier habe ich bereits ausgeführt, in welcher Gesellschaft sich solche Ansichten bewegen. Zumindest sollte sich heise bzw. Telepolis überlegen, ob sie solche Scientology-Ansichten wie der von Tom Cruise weiter verbreiten wollen:

Artikel verlinken: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Furl
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
  • Spurl
  • TwitThis
  • Wikio DE
  • StumbleUpon
 

2 Reaktionen zu “heise und Scientology”

  1. Tomam 15. Dezember 2009 um 10:34 Uhr

    Also bei dem Text liest man sofort heraus, dass der Autor nie Psychologie studiert hat: die Psychologie – erst recht wenn es um das Thema Depressionen geht – ist keine exakte Wissenschaft.

    Es gibt zu jedem Thema mindestens eine Studie die das eine, sowie eine andere, die das genaue Gegenteil behauptet. Man geht immer nur von Modellen und Wahrscheinlichkeiten aus. Man nennt keine konkreten Zahlen, weil es nicht nur eine sondern in der Regel mehrere Studien gibt: welche sollte man also zitieren? Eine? Alle? Sollte man die Diskussion über die jeweiligen Untersuchungsmethoden auch anfügen? Wie weit würde uns das führen in einem nicht ausdrücklich wissenschaftlichen Artikel?
    Am Ende ist es immer das Gleiche: man zählt die Studien die Pro und die welche Kontra sind und entscheidet dann, welchen man mehr vertraut.

    Spätestens bei so komplexen Dingen wie der Hirnchemie ist endgültig Feierabend. Wir wissen einfach nicht was da wirkt oder warum es wirkt. Wir gehen nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es irgendwie funktioniert. Sorry – aber das ist die Wahrheit. Mal beim Hautarzt gewesen? Denen geht es genauso: die pröbeln solange herum bis irgendetwas einen positiven Effekt hat.

    Mal ehrlich: im Wesentlichen flößt man den Leuten bei Depressionen Johanniskrautextrakt ein. Je schlimmer die Depression, desto mehr davon. Aus diesem Zeug backen andere Leute Brot. Ob man sicher weiß, dass es was bringt? Nein: natürlich nicht. Es gibt keine Sicherheit! Aber anhand von Studien gehen wir davon aus, dass es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einen positiven Effekt hat.

    Wie sieht dieser positive Effekt bei Depressionen aus? Der Patient sagt “ich fühle mich besser”. Selbstverständlich kann man das immer infrage stellen – das muss man sogar. Das ist in der Psychologie immer so und hat absolut rein gar nichts mit Scientology zu tun.

  2. Internetausdruckeram 15. Dezember 2009 um 16:13 Uhr

    Ja, solche Artikel sorgen für Verunsicherung. Ich habe ein paar von denen gelesen und kam natürlich mächtig ins Zweifeln. Es stimmt ja auch, dass die medizinischen Studien oft von der Pharmaindustrie finanziert werden. Das nennt man heute fröhlich “Drittmittel” und die Unis sind ganz furchtbar stolz darauf. Es ist also schon denkbar, dass hier keine wirklich unabhängige Forschung zustande kommt.

    Auf der anderen Seite sagt mir mein Gefühl, dass eben das “Gut zureden” gar nichts hilft. Eine Depression ist nicht ohne weiteres durch Verstandes- oder Disziplinleistungen zu beherrschen.

    Diejenigen, die Depression mit Kapitalismuskritik verbinden, schießen sicher weit über das Ziel hinaus. Aber es ist keineswegs auszuschließen, dass Depressionen ein soziales Phänomen sind. Gesellschaften können Depressionen fördern, wenn sie etwa Vereinsamung und Stress fördern.

    Aber es ist sehr schlicht, aus der Depression in altbewährter Manier wieder nur ein Symptom der Zerrüttetheit der Menschen im Kapitalismus zu machen. Der Kapitalismus, was das dann auch immer konkret sein soll, wird hier zur Megaursache und ganz marxistisch gedacht scheint dann das Sein das Bewusstsein zu prägen. Dieses Erklärungsmuster kennt man auch aus anderen Zusammenhängen, z.B. Gewalt: Die ist immer das Produkt der gewalthaften Gesellschaft und der sozialen Ungerechtigkeit.

    Das ist natürlich viel zu einfach. Und in der Tat wird durch solche Erklärungsschemata dann das Problem (Gewalt, Nazis, Depressionen whatever) bloß instrumentalisiert, um die vermeintliche Unmenschlichkeit dieser Gesellschaft zu beklagen. Das ist dann schon Kampagnenwissenschaft. Ich bin zwar selber äußerst kapitalismuskritisch, aber als Soziologe bin ich dann doch lieber in erster Linie Empiriker.

    Vermutlich bieten manche auf Telepolis zitierten AD-und Kapitalismuskritiker am Ende auch eine (freudianische) Heilslehre an: Befreie dich vom kapitalistischen Joch, dann gesundet Deine Seele. Einlösen werden sie es auch nicht können. Also ist es auch relativ leicht, solches zu versprechen.

    Und: Diese Leute haben das Wesen von Depression nicht recht begriffen. Sie schlägt nämlich auch dann zu, wenn es einem eigentlich wegen positiver Umstände gut gehen sollte…

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: