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Bücherverbrennung 2.0 – update

blogfuerst 16. Oktober 2009

Die Vereinigung “Aktionsbuendnis Amoklauf Winnenden” hat mit ihren pauschalen Forderungen nach einem Verbot von “Killerspielen” bereits mehrere Mal auf sich aufmerksam gemacht. Die jüngste PR-Aktion dieses Bündnisses ist der Aufruf  “Killerspiele” öffentlich zu entsorgen. Welche Spiele genau als Killerspiele gelten, wird natürlich nicht dargestellt. Denn dann müsste man erklären, warum Far Cry eines ist und Pacman keines. Aber um Argumentation und Ursache und Wirkung geht es ja bei dieser Debatte gar nicht. Dass die emotional angeheizten Aktivisten aber mit ihrer jüngsten Aktion in ganz andere Dimensionen vorstoßen, ist ihnen selbst offenbar entgangen. Ob es ihnen passt oder nicht – aber Videospiele sind längst zu einem bedeutenden Kulturgut geworden. Und das schließt Ego-Shooter mit ein. Der Grund ist einfach der, dass solche Spiele längst genauso zum Freizeitalltag der Menschen gehören, wie Rocky 4 oder Terminator, die auch niemand für Amokläufe oder ähnliches verantwortlich macht. Wer jetzt aber solch ein Kulturgut öffentlich entsorgen oder vernichten will, muss es sich gefallen lassen in einem Atemzug mit den “Kulturvernichtern” aus einer anderen Zeit genannt zu werden. Tja, so ist das liebe Amoklauf-Aktivisten. Wer versucht emotionale und polemische Strömungen zu erzeugen, darf sich nicht wundern, wenn ihm genau so eine Welle als Antwort entgegenschlägt.

So sehr der Schmerz und die Wut über den Verlust des eigenen Kindes in Winnenden gerechtfertigt sind, so wenig ist es legitim sich einfach einen Sündenbock zu suchen, den man für dieses schreckliche Schicksal verantwortlich machen kann.

update:

Totaler Reinfall wäre fast schon eine Untertreibung für diese Aktion. Im riesigen Container waren ausgenommen von 2-3 Datenträgern (die wohl von den Organisatoren noch schnell besorgt wurden, damit es wenigstens nicht total lächerlich werden würde) nichts als gähnende Leere.

Ich schätze allein der Glaube, dass es in der Republik soviele Leute mit “zu vernichtenden Killerspielen” gibt, dass man damit einen Container füllen kann, zeigt in welcher eigentümlichen Realität die Leute hinter diesem Aktionsbündnis leben.

 

Eine Reaktion zu “Bücherverbrennung 2.0 – update”

  1. Internetausdruckeram 17. Oktober 2009 um 14:42 Uhr

    http://www.burks.de/burksblog/category/internet-and-computer
    Hier habe ich noch einen guten Artikel zum Thema gefunden.
    Es geht zwar nicht um die Initiatoren der “Spieleverbrennung”. Aber es geht um eine ominöse Kommission in Baden-Württemberg mit dem Namen “Arbeitskreis Amok”:

    “Die vom Land Baden-Württemberg eingesetzte Kommission “Expertenkreis Amok” empfiehlt als Präventionsmaßnahme gegen Amokläufe wie in Winnenden unter anderem ein Verbot sogenannter Killerspiele. Auch weitere Internetsperren stehen im Forderungskatalog des Fachkreises. (…) Der Bericht stellt fest, bei Amokläufern sei generell eine “intensive Beschäftigung mit Videofilmen und Computerspielen mit gewaltrelevanten Inhalten auffällig”. Außerdem verfügten Amoktäter “zum Teil über enorme Treffsicherheit durch Einübung mit scharfen Waffen oder bestimmten Computerspielen”.

    Der Autor Burks hat mal nachgeschaut, woraus sich diese Kommission zusammensetzt:

    “Wer ist Mitglied dieser Kommission? Erste Hinweise fand ich bei Der Westen (WAZ-Gruppe): “In der Kommission waren unter anderem Psychologen, Pädagogen, Politiker, Eltern der Opfer und Anhörungsexperten wie Martin Bürner vom Landesjagdverband oder Sabine Frank vom Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter eV.“.

    Geschäftsführer von Verbänden und Vereinen, Politiker und die Eltern der Opfer – das sind also die “Experten”? Gar die “Anhörungsexperten”? Ich aber sage Euch: Diese Experten sind völlig ahnungslos und repräsentieren das dumpfe so genannte “gesunde” Volksempfinden.Wer ist Mitglied dieser Kommission? Erste Hinweise fand ich bei Der Westen (WAZ-Gruppe): “In der Kommission waren unter anderem Psychologen, Pädagogen, Politiker, Eltern der Opfer und Anhörungsexperten wie Martin Bürner vom Landesjagdverband oder Sabine Frank vom Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter eV.“.

    Geschäftsführer von Verbänden und Vereinen, Politiker und die Eltern der Opfer – das sind also die “Experten”? Gar die “Anhörungsexperten”? Ich aber sage Euch: Diese Experten sind völlig ahnungslos und repräsentieren das dumpfe so genannte “gesunde” Volksempfinden.”

    Die Arbeit dieser Kommission folgt also dem alten politischen Rezept: Kennst Du das Ergebnis schon, gründe eine Kommission.

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