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Vorsicht! Weltverbesserer!

blogfuerst 28. August 2009

Es gibt sie überall – in konservativen, wie in linken Kreisen: Die sogenannten “Weltverbesserer”. Die SZ berichtet z.B. über eine der jüngsten (29J. ?) Bundestagskandidatinnen:

Judith Greif spürt eine besondere Berufung. “Ich will die Welt verbessern, auch wenn sich das sehr idealistisch anhört”, bekennt die junge Frau. Sie ist eine der jüngsten Bundestagskandidatinnen in München, die für die Grünen antritt. “Ich kann keine Politikverdrossenheit unter jungen Leuten erkennen”, sagt Greif. Sie selbst ist das beste Beispiel.

Ich finde es bedauerlich, wie unkritisch immer noch “Weltverbesserer” in der Presse dargestellt werden. Es wird fast der Eindruck erweckt, hier kämen weiße Ritter mit Idealen, die noch nicht so verdorben seien, wie die anderen “Berufspolitiker” und endlich für eine “bessere Welt” sorgen werden. Mal abgesehen von der Tatsache, dass m.E. ein Bundestagsabgeordneter vor seinem Einstieg in die Berufspolitik wenigstens einmal sein eigenes Geld ohne Mandat verdienen sollte. Wie kann denn jemand über das Schicksal einer erwerbstätigen Gesellschaft entscheiden, wenn er/sie selbst nicht mal auf eigenen Füßen gestanden hat?

Bei “Weltverbesserern” frage ich mich immer, woher sie denn wissen, was besser sei für die Welt. Haben solche Menschen einen überdurchschnittlichen IQ? Oder haben sie die Weisheit buchstäblich mit Löffeln gefressen? Wer von sich sagt, er wüßte besser als andere, was besser sei tappt ganz schnell die Falle eines paternalistischen Staates, der die Menschen gängelt und bevormundet. So jemand ist in der Regel auch genauso beratungsresistent wie die derzeit regierende politische Klasse von Partei- und Parlamentsfunktionären.

Besonders wundert mich es aber, dass Weltverbesserer vom Schlage einer Judith Greif für sich selbst Maßstäbe setzen, die sie bei anderen gerne und heftig kritisieren. So wurde ja – besonders laut von linker Seite – der letzte amerikanische Präsident George W. Bush immer wieder heftig dafür kritisiert, dass er sich “berufen fühlte” die Welt vom Bösen zu befreien. Ohne der jungen Idealistin etwas unterstellen zu wollen – muss doch festgestellt werden:

Die schlimmsten Taten entspringen eben oft den besten Absichten

Ich persönlich glaube, dass der Staat vielmehr jeden Einzelnen in die Lage versetzen sollte, seine eigene persönliche Lebenswelt zu verbessern. Damit enthält sich der Staat auch einer Meinung zu sagen was besser sei und was nicht. Ob das “eine bessere Welt” ist oder nicht, soll jeder für sich selbst beurteilen.

 

3 Reaktionen zu “Vorsicht! Weltverbesserer!”

  1. benam 28. August 2009 um 18:07 Uhr

    ach was – aber eine Welt voller Staaten, die “jeden Einzelnen in die Lage versetz[en], seine eigene persönliche Lebenswelt zu verbessern” wäre eine bessere Welt?
    Wenn der Text nicht satirisch gemeint ist, passt die Argumentation gegen politischen Idealismus nicht ganz, wenn am Ende auch ein politisches Ideal formuliert wird …

    Aber im Ernst gibt es durchaus ein paar Dinge, die von ziemlich vielen Menschen einer “besseren Welt” zugeordnet werden würden … Frieden zum Beispiel oder die Abwesenheit von Armut oder Hunger …

    Sinn und Zweck unseres politischen Systems mit vielen Parteien und noch mehr Einzelpersonen in diesen ist ja, dass jede Meinung angemessen vertreten wird … umso ökologischer die Bevölkerung wird, umso mehr ökologische Ziele werden auch von den politischen Repräsentanten verfolgt. Und da niemand von denen die Diktatorenrolle einnimmt, muss man auch keine Angst haben, dass irgendein persönlicher übersteigerter Idealismus wirklich umgesetzt wird.

  2. blogfuerstam 28. August 2009 um 20:45 Uhr

    Aber bei der Frage der Ökologie gehts schon los. Macht man die Welt denn wirklich besser, wenn man Glühbirnen verbietet? Die Alternative ist ja schon mehrfach durchgefallen. Weiter gehts mit grüner Gentechnik. Warum soll eine Technologie verboten werden, die Nahrungsmittelknappheit in hungerleidenden Gegenden lindern könnte? Es gibt noch viele andere Beispiele…

    Nun, Frieden und die Abwesenheit von Armut sind natürlich Dinge, die man anstreben sollte. Ich glaube auch nicht, dass es eine ernst zu nehmende politische Gruppe hierzulande gibt, die sich sowas nicht wünschen würde. (Das Fass Bundeswehr etc. lass ich mal zu)
    Der Text richtet sich keineswegs gegen politischen Idealismus. Aber eine “bessere Welt” zu fordern, erreicht m.E. erst gar nicht den Rang einer idealistischen Ansicht, weil es zu allgemein und unkonkret ist.
    Wer von sich “nur” sagt, dass er die Welt verbessern will, reklamiert für seine eigene Politik – im Gegensatz zu denjenigen die das nicht propagieren – eine moralische Überlegenheit mit der man im Prinzip jede noch so sinnlose Maßnahme rechtfertigen kann, weil man damit mehr oder weniger anderen politischen Ansichten unterstellt die Welt(oder das Land bzw. die Gesellschaft) nicht verbessern zu wollen und sie damit abwertet…
    Ganz abgesehen von der Tatsache, dass Moral in der Politik nichts verloren hat.

  3. schatziam 29. August 2009 um 19:39 Uhr

    Der SZ ist hier übrigens ein Fehler unterlaufen: Die Kandidatin ist 24 Jahre alt. Das Fragezeichen ist also durchaus berechtigt, wenn wohl auch ursprünglich anders gemeint.

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