Keine unabhängigen Medien in Deutschland ?
blogfuerst 6. August 2009
Die Bundestagswahl rückt immer näher und somit auch die mediale Berichterstattung über die Spitzenkandidaten. Im Vorfeld der letzten Bundestagswahlen gab es ein paar Spitzenduelle im deutschen Fernsehen. Und zwar nach dem amerikanischen Vorbild zwischen zwei großen Lagern. Hierzulande zwischen dem/der Unionsspitzenkandidaten und dem sozialdemokratischen Spitzenkandidaten.
Pikant wird dieses Vorgehen allerdings in der aktuellen Situation der großen Koalition. Das führt nämlich dazu, dass im so genannten “Spitzenduell” ausschließlich Regierungsparteien vertreten sein werden und die drei Oppositionsparteien nicht zum Zug kommen. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat das treffend kommentiert:
In diesem Jahr bedeutet der Ausschluss von drei Parteien von dieser einmaligen, in anderer Weise nicht ausgleichbaren Sendung den Ausschluss der Opposition von der wichtigsten Fernsehwahlsendung. Dass die Regierungsparteien unter sich bleiben, rührt am Grundverständnis von Regierung und Opposition in der parlamentarischen Demokratie. Was wäre zum Beispiel zu hören, wenn in einem EU-Beitrittsland die Opposition von der entscheidenden Wahlsendung ausgeschlossen würde? Und welchen Informationsgewinn kann es für die Wahlbürger bedeuten, wenn die beiden Diskutanten zunächst einmal die gemeinsame Regierungszeit preisen, dann die Absicht begründen auseinanderzugehen, aber Wiederverheiratung nicht ausschließen?
Ich frage mich, was passieren würde, wenn die FDP irgendwann einmal die SPD überholt. Das liegt ja nicht ganz fern. Werden dann künftig trotzdem nur Union und SPD auftreten dürfen? Oder nur Union und FDP? Wie man sieht ist verquastetes “Lager- oder schwarz-weiß-Denken” bei den deutschen Rundfunkanstalten vorherrschend. Vielleicht wird an dieser Stelle besonders deutlich, wie das Fernsehen seinen eigenen Abstieg beschleunigt – ohne dass das böse Internet daran beteiligt wäre.
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