Satire bei der FAZ ?
blogfuerst 5. Juli 2009
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat auf ihrer dritten Seite einen längeren Satire-Artikel abgedruckt, der allerdings nicht als solcher gekennzeichnet ist. Angesichts der Inhalte dieses Artikels komme ich nicht umhin ihn als Satire zu charakterisieren, da er die mittlerweile längst widerlegten Behauptungen von Zensursula und der Bundesregierung (noch einmal) als gegeben darstellt:
In Deutschland gibt es, wie in anderen Ländern, eine große Zahl pädophil eingestellter Männer, die eine hohe Neigung haben, sich solche Dateien zu beschaffen. Ermittlungen gegen Tausende Konsumenten zeugen davon, dass unter dem Kalkül hoher Profite Kinderpornographie, also geronnener Kindesmissbrauch, im Internet angeboten wird. Erst das Internet, so heißt es beim Bundeskriminalamt, mache Kinderpornographie zum großen Geschäft, das Netz sei “kriminalitätsbegründend”. Der Staat maßt sich nun an, den Zugang zu kriminellen Produkten zu erschweren.
Das war erst der Einstieg. Richtig genial ist diese Verballhornung mit Wiefelspütz, wenn man seinen Umgang mit Wähleranfragen aus dem Netz betrachtet:
Doch die “maßlose Arroganz eines Teils der Community” ärgert ihn [Wiefelspütz]. “Ich bin nicht für die Freiheit, Verbrechen im Internet begehen zu können”, sagt er. Es müsse möglich sein, gegen Hasspropaganda und andere Straftaten entschiedener vorzugehen, als das bisher möglich ist. Dafür wird Wiefelspütz in Internetblogs beschimpft, in einem Ton, den er “unerträglich” findet.
Dieser Absatz ist natürlich besonders witzig, da er dem widerspricht, was ein paar Zeilen vorher geschrieben wurde:
Man hat das Gesetz auf Kinderpornographie begrenzt…
Den krönenden Abschluss dieses Satire-Artikels stellt die Charakterisierung der “Blogger-Szene” dar, in Anlehnung an das berühmte Zitat von Zensursula durch das sie sich praktisch jeder Diskussion entzogen hat: “Ich bin fest entschlossen und von dieser Bahn bringt mich auch keiner mehr ab.”
Dominiert wird die Debatte von den Wortführern der “Szene”, die Argumenten nicht zugänglich ist. Dialog ist nicht gefragt. “Sie sitzen im Baumhaus”, sagt ein Abgeordneter. “Da darf kein Erwachsener hoch.”
Falls es sich hierbei wider Erwarten jedoch nicht um Satire handelt, dann dürfte dieser Artikel unter die Kategorie Regierungspropaganda fallen. Der Autor des Artikels Markus Wehner ist bereits in der Vergangenheit unangenehm aufgefallen mit Artikeln wie “Terroristen in Deutschland – Der Islamist hat keinen, der ihn schreckt / Islamisten in Deutschland – Sie sind gekommen, um zu töten / Anschlagsgefahr – Terror-Ziel Deutschland “. Im besten Fall könnte man ihn als Wurmfortsatz von Wolfgang Schäubles Terrorpropaganda bezeichnen, dem die Diskussionen um die Einschränkung von Bürgerrechten zuwider sind:
Dennoch leistet sich Deutschland eine wirklichkeitsfremde Debatte über einen angeblich drohenden Überwachungsstaat. Man streitet darüber, ob eine Online-Durchsuchung zulässig sein könne – auch wenn Islamisten sich immer mehr per Computer organisieren, bis hin zur virtuellen terroristischen Vereinigung. Auch wer sich im Internet Anleitungen für den Bau von Bomben herunterlädt, muss nichts befürchten.
Im negativsten Falle aber könnte man Markus Wehner auch als Hetzer bezeichnen:
Die deutsche Öffentlichkeit ist gespalten in der Frage, welche Gefahr uns wirklich droht. Manche pflegen eine kulturromantische Vorstellung vom Islam, andere befürchten, der These vom „Zusammenstoß der Kulturen“ recht geben zu müssen. Im islamischen Mainstream in Deutschland gibt es noch zu viel Sympathie für die Kämpfer unter grüner Flagge.
Ich bin mir sicher, dass dies vor der Wahl nicht die letzte Angst- und Hetzpropaganda in der FAZ von “Markus Wehner” gewesen ist.
update: Die FAZ – das sind die hier.
- Absurdistan , Bürgerrechte , Zensur
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