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arme Manager

blogfuerst 24. Mai 2009

Die Finanzkrise trifft nicht nur die Volkswirtschaften und Abermillionen von Arbeitern. Sie “belastet” auch diejenigen, die für sie verantworlich sind – die Manager:

Sie verdienen weniger, müssen mehr arbeiten – und ihr Image hat auch gelitten: Die Finanzkrise macht vielen Managern zu schaffen. Laut einer Umfrage trifft sie der Wirtschaftsabschwung nicht nur beruflich, sondern auch privat.

So das Ergebnis einer Umfrage der Personalberatung Heidrick & Struggles.

Außer den 1000 befragten Managern dürfte es wohl niemanden in diesem Lande auch nur einen Jota interessieren, dass die Manager unter der von ihnen selbst verursachten Finanzkrise ebenfalls zu leiden haben. Insofern frage ich mich, welchen Mitteilungswert diese Meldung bei SPON hat. Vielleicht sollte die Personalberatung Heidrick & Struggles mal eine Umfrage unter den Tausenden Menschen machen, deren Gehalt nicht nur “nicht mehr so schnell steigt”, sondern direkt fällt. Oder am besten eine Umfrage unter den vielen tausend Menschen, die wegen der Finanzkrise ihren Job verlieren oder bereits verloren haben und deshalb auch privat in schwere Existenznöte geraten. Vielleicht sollte man diese Menschen fragen, wieweit ihr gesellschaftliches Ansehen als Hartz-IV-Empfänger noch dem vorherigen entspricht.

Ausnahmsweise zieht die große Koalition die richtigen Lehren aus der Finanzkrise, wenn sie der Amigo-Wirtschaft im deutschen Korporatismus einen Dämpfer verpasst mit strengeren gesellschaftsrechtlichen Regelungen. Nur dem BDI-Chef Keitel (Bundesverband der Deutschen Industrie) passt das offenbar nicht:

Keitel kritisierte außerdem Pläne der Koalition, die Haftung der Vorstände zur verschärfen. Begehen Manager fahrlässige Fehler, die ihr Unternehmen viel Geld kosten, zahlt normalerweise eine spezielle Haftpflichtversicherung. Die Regierungsparteien wollen allerdings, dass dabei künftig ein hoher Selbstbehalt gilt: Vorstände sollen zunächst mit bis zu einem Jahresgehalt für selbst verursachte Verluste einstehen, bevor die Versicherung greift. Die Pläne der Koalitionsparteien sehen auch vor, dass der gesamte Aufsichtsrat und nicht nur ein Ausschuss die Vorstandsgehälter festsetzt. Der Aufsichtsrat soll künftig die Spitzengehälter auch kürzen können, wenn der Betrieb in Schwierigkeiten gerät. Zudem sollen Manager erfolgsabhängige Boni, die bei vielen Vorständen einen großen Teil des Gehalts ausmachen, erst am Ende der Vertragslaufzeit erhalten. Das soll längerfristiges Denken in der Unternehmensführung fördern. „Die vorliegenden Vorschläge sind von den erkennbaren Umrissen nicht haltbar“, kritisierte BDI-Präsident Keitel. „Diese Vorschläge kommen offensichtlich von Menschen, die noch nie in ihrem Leben mit dem Verhandeln solcher Verträge zu tun gehabt haben.“ Besonders die Höhe des Selbstbehalts bei der Managerhaftung ist nach Ansicht von Keitel unangemessen: „Wenn eine Selbstbeteiligung in Höhe eines Brutto-Jahresgehalts verlangt wird, sind das in Wahrheit zwei Netto-Jahresgehälter.“ Der hohe Selbstbehalt werde potenzielle Vorstände abschrecken: „Wenn ein Vorstand einen Selbstbehalt in der Höhe eines Jahresgehalts zahlen muss, überlegt sich jeder leitende Angestellte, ob er in den Vorstand aufsteigen möchte. Er bekäme dann zwar mehr Gehalt, hätte aber das große Haftungsrisiko.“

Tja, wenn einem das “große Haftungsrisiko” nicht passt, dann muss man ja auch nicht Vorstandsmitglied werden. Niemand wird dazu gezwungen Vorstandsmitglied zu werden. Dass es ein Grundrecht auf einen millionenschweren Vorstandsposten – ohne Haftung – gibt, ist mir nicht bekannt.

Obwohl der weltweite billionenschwere Schaden, den die “Manager” angerichtet haben noch gar nicht absehbar ist, erdreistet sich der BDI-Chef Keitel (Bundesverband der Deutschen Industrie) doch tatsächlich die Politiker dafür zu kritisieren Gegenmaßnahmen zu beschließen und fordert obendrein von ihnen “mehr Anstand”. Ein Vertreter derjenigen, für die nichts anderes als der cash-flow zählt. Einer der Moral und Anstand jederzeit gegen ein paar Euros getauscht hätte – solch einer verlangt von anderen mehr Anstand? Da kommt einem echt die Galle hoch…

Wenn dieses Gesetz dazu führt, dass sich heutige Manager nicht mehr für Vorstandsämter bewerben, dann muss dieses Gesetz eher gestern als heute eingeführt werden. Denn dann hält es offenbar genau die Leute von Vorstandsämtern ab, die jetzt dort sitzen und die für diese Finanzkrise verantwortlich sind. Dann ganz schnell her mit diesem Gesetz!!

Was aber leider viele konservative und liberale Politiker nicht kapieren wollen ist, dass dieser Vertreter nicht für die hunderttausenden von kleinen und mittleren Unternehmern spricht, sondern ausschließlich für eine kleine Kaste von Aktienvorständlern. Allein die Kritik von Keitel zeigt, dass er nicht einen Funken Ahnung von Unternehmertum hat. Kein Wunder – er war auch Zeit seines Lebens Angestellter. Immer in leitender Funktion, musste nie mit dem eigenen Vermögen für eigene Fehler haften – wie es jeder normale Unternehmer tut bzw. tun muss. Wir brauchen in diesem Land dringend mehr echte Unternehmer und weniger (angestellte) Manager. Es sind nicht Linke wie Lafontaine oder Sarah Wagenknecht, die eine Gefahr für den sozialen Frieden, die soziale Marktwirtschaft und das Vertrauen darin sind. Es sind Manager die Mitarbeiter überwachen und Gesetze brechen ohne einen Funken Einsicht geschweige denn Reue. Manager, die Banken und ganze Volkswirtschaften an den Rand des Ruins treiben und dafür auch noch eine extra Belohnung (“Boni”) verlangen. Und zwar mit einer Selbsverständlichkeit wie man sie sonst nur bei uneinsichtigen Kriminellen wiederfindet. Es sind Menschen wie Keitel, die dafür verantwortlich sind, dass sich die Menschen hierzulande – zu Recht – fragen, ob dieses Wirtschaftssystem wirklich das beste (bzw. das kleinste Übel) ist.

 

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