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Antworten nach dem Amoklauf

blogfuerst 12. März 2009

Immer dort wo schlimme Ereignisse geschehen, sind die Dummschwätzer nicht weit, die Patentlösungen anbieten. So auch nach dem Amoklauf von Winnenden.  Der Chef der Polizeigewerkschaft GdP Konrad Freiberg, der auch als Grundrechtsgegner von sich Reden machte, forderte nun die Einführung von Chip-Kartenkontrollen in den Schulen. Bleibt trotzdem die Frage, wie eine Chip-Kartenkontrolle(oder Videoüberwachung) einen bewaffneten Schützen davon abhalten sollte in ein Schulgebäude zu gehen und anfangen zu morden. Freiberg ist wohl der Auffassung, dass einem bewaffneten Amokläufer, dem der rechtmäßige Eintritt in eine Schule verwehrt wird, Kehrt macht und von seinem Vorhaben ablässt. Auch die niedersächsische Zuchtstute Uschi von der Leyen, weiß natürlich sofort wie man solche Dinge in Zukunft verhindern kann – mit Erziehungspartnerschaften.

Interessant ist auch die Tatsache, dass die Polizei offenbar die Wohnung des Amokläufers durchsuchte mit dem Ziel “Killerspiele” zu finden, denen man dann die Schuld für den Amoklauf in die Schuhe schieben kann. Angesichts der Tatsache, dass die Computerspieleindustrie mittlerweile größer ist als die Musikindustrie, müsste man konsequenterweise auch nach “Killermusik” suchen. Bei der Gelegenheit natürlich auch gleich nach Brot, dass jeder der Amokläufer vor seiner Tat kosumierte.

Die einzige Maßnahme die u.U. geeignet wäre solche Amokläufe zu verhindern – ein vollständiges Verbot des (privaten) Besitzes von Waffen – wird erstaunlicherweise von Unionspolitikern unisono abgelehnt. Und das wo doch die meisten aller Amokläufe in Deutschland mit legalen(!) Waffen aus dem Privatbesitz der Familie der Amokläufer durchgeführt wurden. Ein Waffenverbot wäre also die naheliegenste Maßnahme auf die Amokläufe. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet die Politiker, die Killerspiele verbieten wollen; das ganze Internet und ihre Teilnehmer überwachen wollen, nur weil einige Terroristen ein paar E-Mails verschickt haben, sich am vehementesten gegen Verschärfungen im Waffenrecht wehren.

Auch hier zeigt sich, dass es den Verfassungsgegnern von CDU/CSU gar nicht um einen echten Sicherheitsgewinn geht, sondern vielmehr um allumfassende Überwachung einerseits und Klientelpolitik (Schützenlobby) andererseits. Ich könnt gar nicht soviel essen, wie ich da kotzen möchte.

Wer sich aber ebenfalls dringend an die eigene Nase fassen sollte, sind die Medien. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass der Amoklauf in Winnenden nur wenige Stunden nach einem Amoklauf in den USA begann. Auch stellt sich hinterher oftmals heraus, dass Amokläufer frühere Amokläufer als Vorbilden oder Helden verehren. Hier zeigt sich also eine eindeutige Parallele zwischen der ausufernden Berichterstattung über einen Amoklauf und dadurch animierte Nachahmungstäter. Den mit Abstand allerbesten Kommentar zu dem Geschehen in Winnenden findet man in diesem WELT-Artikel:

Die Republik kann nicht mit Videokameras zugepflastert werden, die Schulen nicht zu Hochsicherheitszonen hochgerüstet werden, es darf keine Generalverdächtigungen geben, es darf keinen Überwachungsstaat geben und die Gesellschaft darf sich auch nicht von Einzeltätern dazu hinreißen lassen eine freie geistig rege und auch positiv denkende Jugend in den Schulen mit Abwehr-Restriktionen gegen Amokläufer zu gängeln. Alibi-Diskussionen, Marktschreierei, Klugscheißerei – all das wird nicht benötigt, aber – und das sollte nicht unterschätzt werden – die Foren, der große theatralische Auftritt, die ins sinnlose übersteigerte Scheinwichtigkeit, die Überhöhung von Amoktaten und deren Tätern durch eine öffentliche Resonanz, die jede Dimension und jeden Halt verloren hat und stoßgebetartig jedesmal zu einer regelrechten Amok-Industrie mutiert, müssen schlicht und ergreifen ersatzlos aufhören ihr falsches Werk zu tun. Der Reiz statt unbekannt zu leben, als berühmter Amokläufer zu sterben und in die Geschichte einzugehen, muss wegfallen. [...] Es muss auch eine moralische Verurteilung möglich sein, nicht nur eine strafrechtliche, die der Ruhmsucht der Amokläufer den Reiz nimmt. Die Amok-Versteherei wirkt kontraproduktiv. Da hilft es auch nicht, dass die Tat sekündlich einmal im Land irgendwo “schrecklich”, “unfassbar”, “unverständlich” und dergleichen mehr genannt wird. Das alles ist evident. Den Opfern hilft der routinemäßig anschwellende Bocksgesang mit letzten Endes kurzer Halbwertszeit überhaupt nichts. Deswegen kann man den Verantwortlichen in der Politik wie auch in den Medien nur den dringenden Rat geben den Sog zu stoppen, sich ehrenvoll und mit echtem Mitgefühl zurück zu ziehen und keine Showveranstaltung aus einem Amoklauf heraus zu generieren.

Die Medien tragen auf jeden Fall eine Mitschuld an jedem weiteren Amoklauf. Vielleicht wäre es besser mit Amokläufen ähnlich umzugehen wie mit Suiziden. Einfach nicht drüber berichten, um nicht Nachahmer auf den Plan zu rufen.

 

Eine Reaktion zu “Antworten nach dem Amoklauf”

  1. [...] eigentlichen Brutstätten jugendlicher Amokläufer. Und die Presse trägt ihren Teil dazu bei, dass Amokläufe auch in Zukunft weiter stattfinden. Artikel verlinken: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte [...]

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