Unfähiger BND
blogfuerst 21. Dezember 2008
Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst(BND) Manipulationen an deutschen Wikipedia-Einträgen vorgenommen hatte. Dabei stellten sich viele BND-Mitarbeiter derart dilettantisch an, dass es Web-Experten gelang, die Spur bis zu verschiedenen BND-Stellen zurückzuverfolgen. Abgesehen von der Tatsache, dass der BND mit dieser Aktion nicht nur mit Inlandsbezug tätig wurde, obwohl es ihm als Auslandsnachrichtendienst verboten ist im Inland tätig zu werden, darüber hinaus ist es fast schon erschreckend, wie unbedarft der Umgang des BND mit dem Internet ist. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die jüngsten Äußerungen des BND-Chef Ernst Uhrlau, welcher der Whistleblower-Plattform wikileaks mit Strafverfolung gedroht hat, wenn geheime bzw. unerwünschte Inhalte nicht wieder entfernt werden. Abgesehen von der Tatsache, dass es gerade Aufgabe eines Geheimdienstes ist, seine Informationen “geheim” zu halten und diese nach deren Aufdeckung eben endgültig nicht mehr geheim sind, ist die Unkenntnis von Uhrlau über das Internet und seine Struktur sehr bedenklich. Die Zielsetzung von wikileaks ist es ja gerade anonym, nicht zurückverfolgbar und unzensierbar Informationen anzubieten. Insbesondere um Gegnern autoritärer Regime eine sichere Plattform zur Veröffentlichung anzubieten. Die juristische und technische Struktur von wikileaks gleicht praktisch der des Internets. Die Plattform ist redundant auf vielen Servern in vielen Ländern verfügbar. Eine “Klage” oder sonstige Maßnahme gegen wikileaks, ist im Ergebnis das gleiche wie wenn man das Internet an sich für bestimmte Inhalte verklagen wollte. All dies entzieht sich offenbar der Kenntnis des BND-Chefs und seiner Mitarbeiter. Ein Geheimdienst der nicht einmal die grundlegensten Prinzipen des Haupt-Informationsmediums – des Internets – versteht, ist eigentlich in der Praxis kaum etwas wert. Auch hier zeigt sich das gleiche Phänomen, wie bei den meisten anderen Politikern und Abgeordneten – sie gehören der Generation der Internet-Ausdrucker an, was auch damit zusammenhängt, dass nur die langjährigen sesselfurzenden, realitätsfernen und linientreuen Beamte in leitende Positionen gelangen. Der BND wird wohl erst noch schmerzlich lernen müssen, dass man im Internet mit den sonst üblichen Methoden nicht zum gewünschten Ziel gelangt. Auch wegen des Streisand-Effektes. Diese Lektion werden früher oder später auch die Internetausdrucker Uschi-von-der-Leyen und Florian Toncar (FDP) lernen.
- Bürgerrechte , FDP , Zensur
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